PKV: Nichtzahler verursachen 500 Mio. Euro Schaden

05.12.2011: In der privaten Krankenversicherung sorgen Nichtzahler seit 2009 für massive Probleme, denn seit die Versicherer diesem Kundenkreis nicht mehr ohne Weiteres kündigen können, laufen in der PKV massive Außenstände auf. Die Branche beziffert lauf einem aktuellen Medienbericht des Wirtschaftsblattes „Handelsblatt“ diese Einnahmeverluste auf mehr als 500 Mio. Euro. Den Schaden tragen letzten Endes alle Privatversicherten – in Form erheblicher Beitragsanpassungen.

Versicherungspflicht setzt PKV unter Druck

Bis 2009 – als die Bundesregierung eine allgemeingültige Versicherungspflicht auch für die private Krankenversicherung einführte – konnten die Versicherungsunternehmen Kunden, welche den Beitrag nicht zahlten, kündigen.

  Damit ist es seit 2009 vorbei. Wer die Prämie nicht mehr leisten kann, muss nicht mehr mit einem Rauswurf seitens des Versicherers rechnen. Die Folge: Aufgelaufene Einnahmerückstände müssen vom gesamten Versicherungskollektiv gedeckt werden.

Aus dieser Tatsache resultiert ein Teil der aktuell hohen Beitragsanpassung zum 01.01.2012. Wie hoch ist die Zahl säumiger Beitragszahler in der PKV? Zum Ende des 1. Halbjahres 2011 beziffert die Branche deren Anteil am gesamten Versichertenbestand auf 1,59 Prozent oder 142.800 Privatversicherte, deren Rückstände mindestens drei Monatsprämien betragen. Gemessen an der Gesamtzahl von rund neun Millionen Privatversicherten ein scheinbar verschwindend geringer Anteil. Umso erstaunlicher, dass der wirtschaftliche Schaden zum Beispiel seitens des Branchenführers Debeka (Debeka Hauptverwaltung, 56058 Koblenz) auf 554 Mio. Euro geschätzt wird.

Kostenrisiko Billigtarif

Ein Grund für die hohen Verluste der PKV sind die Kosten, welche mit den Nichtzahlern in Zusammenhang stehen. Auch wenn Privatversicherte keinen Beitrag leisten – die Versicherer sind zumindest zur Notfall- und Schmerzbehandlung verpflichtet. Laut PKV-Verband werden die Verluste mit 289 Mio. Euro zwar deutlich geringer eingeschätzt, sind aber dennoch erheblich.

Besonders unter dieser Entwicklung leiden übrigens Versicherer, welche auf Billigtarife für das Neukundengeschäft gesetzt haben. Hier ist die Zahl derer, welche die PKV-Prämie nicht zahlen deutlich höher als in den Komforttarifen. Setzt sich die aktuelle Entwicklung in diesem Bereich fort, dürfte die Beitragsanpassung zum 01.01.2012 nicht die letzte Anhebung gewesen sein.

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