PKV: Nichtzahler auch 2012 ein Problem

Steigende Gesundheitskosten und in einigen Fällen Fehlkalkulationen bei den sogenannten Einsteigertarifen haben den privaten Krankenversicherern ordentlich zugesetzt. Was viele Menschen jedoch nicht wissen – eine erhebliche finanzielle Belastung stellen auch die Nichtzahler der privaten Krankenversicherung dar.

Erhebliche Verluste durch Nichtzahler

Unter Nichtzahlern versteht man die Versicherten, die keine Beiträge mehr zur Krankenversicherung leisten. Dabei können sie weiter Leistungen in Anspruch nehmen, so dass hier den Krankenversicherern erhebliche Kosten entstehen. Seit der Gesundheitsreform von 2009 haben die Versicherungsgesellschaften dabei nicht mehr die Möglichkeit den Nichtzahlern zu kündigen. Im September 2011 belief sich die Zahl der Nichtzahler auf 144.000, so äußerte sich Dirk Lullies, Sprecher beim Verband der Privaten Krankenversicherung, gegenüber der „Welt“. Seit 2009 sind den privaten Krankenversicherern allein durch die Nichtzahler Kosten von 554 Millionen Euro entstanden.

Der neue Nichtzahler-Tarif

Eine neue Regelung soll hier allerdings der Entwicklung Einhalt gebieten. So planen die Krankenversicherer zusammen mit der Bundesregierung die Einführung von speziellen „Nichtzahler-Tarifen“. Diese richten sich vorwiegend an die Nichtzahler, die aufgrund von gestiegenen Kosten und geringem Einkommen die jetzigen Tarife nicht bezahlen können. So soll der neue Tarif rund 100 Euro im Monat kosten. Er bietet dabei ausschließlich Leistungen für akute Erkrankungen und bei Schwangerschaft.

Entlastung der anderen Privatversicherten

Der neue Tarif soll dabei vor allem die Versicherungsgemeinschaft entlasten. Denn nicht nur aufgrund von Fehlkalkulationen war es Anfang dieses Jahres zu teilweise starken Beitragserhöhungen gekommen. Auch die Verluste durch die Nichtzahler haben ihren Anteil zu den Beitragssteigerungen gehabt. Da die privaten Versicherer Unternehmen sind, die wirtschaften müssen, waren ein Teil der Kosten auf den Rest der Versicherungsgemeinschaft umgelegt worden. Um dies in Zukunft zu vermeiden, sollen die Nichtzahler-Tarife helfen.

Zurück in die Gesetzliche?

Allgemein wird in den letzten Wochen viel über Privatpatienten berichtet, die wieder in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren wollen. Zwar haben die privaten Krankenversicherer einen solchen Trend dementiert, unter den jetzigen Nichtzahlern befinden sich aber viele Menschen, die vor 2009 nicht krankenversichert waren und mit der Gesundheitsreform nur die Möglichkeit hatten, in die private Krankenvollversicherung einzutreten. Sie dürften auch jetzt bis auf Einzelfälle keine Möglichkeit haben, in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln.

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