PKV: Neukundengeschäft über billige Einstiegstarife riskant

Die private Krankenversicherung lockt immer wieder mit Tarifen, deren Einstiegsbeiträge auf den ersten Blick unschlagbar sind. Experten warnen bereits seit längerer Zeit vor diesen Billigtarifen der PKV. Eine Umfrage der Agentur Franke & Bornberg zeigt jetzt, welchen teilweise hohen Stellenwert die Einsteigertarife bei manchen Gesellschaften aus den Reihen der PKV genießen. In einigen Fällen, so Franke & Bornberg, machen die Tarife bis zu vier Fünfteln des Neukundengeschäfts der privaten Krankenversicherung aus.

Aggressive Werbung für Billigtarife

Die Analysten von Franke & Bornberg hat nicht nur verblüfft, welchen Stellenwert diese PKV Tarife in einigen Versicherungen genießen.

Auch die massive Werbung, welche seitens der PKV für die Einstiegstarife gemacht wird, verblüfft. Durchgeführt hat Franke & Bornberg die Untersuchung für die „FAZ“. Michael Franke, Geschäftsführer von Franke & Bornberg, äußerte sich kritisch in Bezug auf die Einsteigertarife in der PKV.

„Ich halte das für ein Unding“, so Franke. Einer der großen Kritikpunkte sind die teilweise erheblichen Leistungseinschnitte, mit denen Versicherte rechnen müssen, die in der PKV einen solchen Billigtarif abschließen. Es wird seitens der PKV unter anderem im Bereich der Psychotherapie, beim Heilpraktiker oder beim Zahnersatz gespart. Eine Tatsache, die nicht nur Michael Franke gegenüber der „FAZ“ kritisiert. Auch andere Branchenkenner haben die abgespeckten Billig-Tarife seit einiger Zeit auf der Abschussliste.

Kaum Versicherer ohne Billigtarife

Das die Branche von den PKV-Billigtarifen lebt, scheint die Tatsache zu untermauern, dass nur wenige Versicherer nicht auf dieses Konzept setzen. Wie Franke & Bornberg herausgefunden hat, kamen von 30 untersuchten Versicherern nur wenige gänzlich ohne die günstigen Einsteigertarife aus – darunter die Debeka, die Hallesche, die VGH und die Universa. In den Augen von Experten dürfte die Untersuchung die Kritik an der Branche untermauern.

Letztere steht den Billigtarifen selbst gespalten gegenüber. So sieht die DKV etwa die Billigtarife als Sackgasse und will sich zum Jahresende von diesem Geschäftsmodell verabschieden. In den Augen der PKV ziehen günstige Einsteigertarife einen Kundenkreis an, welcher in der GKV eigentlich besser aufgehoben ist als in der privaten Krankenversicherung.

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