PKV: Neue Gebührenordnung für Zahnärzte

Anders als gesetzliche Versicherte rechnen Privatpatienten direkt mit dem behandelnden Arzt ab. Grundlage ist die Gebührenordnung für Ärzte. Das Problem: Letztere ist in die Jahre gekommen und bildet den Alltag unzureichend ab. Statt der im Koalitionsvertrag großen Reform will man sich jetzt aber auf politischer Ebene scheinbar nur für eine „kleine“ Novellierung bei den Zahnärzten beschränken. Und könnte damit Privatversicherten wie auch Mitgliedern der GKV gleichermaßen in die Tasche greifen.

GOÄ – Reformthema mit Konfliktpotenzial

Dass die eigentlich für diese Legislaturperiode anberaumte Reform der Gebührenordnung für Ärzte, kurz GOÄ, vom Tisch ist, berichtet die F.A.Z.

Dabei wäre eine Neuregelung dringend notwendig, da die Gebührenordnung für die mehr als 320.000 Ärzte aus den 1980er Jahren stammt. Gleiches gilt für die Gebührenordnung (GOZ), der die rund 85.000 deutschen Zahnärzte unterliegen. Aufgrund des Konfliktpotenzials scheint sich die Politik nur an letztere Abrechnungsverordnung zu trauen, die die Honorare zwischen Patient und Zahnarzt regelt.

Das Kernproblem ist die Frage, wie man Ärzten und Patienten gerecht wird. Auf der einen Seite steht der Wunsch nach höheren Honoraren. Auf der anderen Seite die Patienten, deren Taschen immer leerer werden. Die neue Gebührenordnung der Zahnärzte will man laut F.A.Z. trotzdem zügig über die Bühne bringen. Wie die Zeitung berichtet, soll bereits am Donnerstag ein Gespräch zwischen Bundesgesundheitsminister Rösler, dem PKV-Verband sowie der Bundeszahnärztekammer stattfinden.

Honorarerhöhung von etwa 10 Prozent

Wie hoch die Anhebung der Zahnarzt-Honorare unterm Strich ausfallen wird, ist unklar. Allerdings ist laut F.A.Z. die Rede von einem „niedrigen zweistelligen“ Prozentsatz. Für die Zahnärzte, die rund 40 Prozent ihrer Einnahmen aus privaten Leistungen decken, durchaus ein Zugewinn. Patienten müssen sich dagegen auf Mehrausgaben einstellen. Eine Tatsache, die nicht nur Versicherte der privaten Krankenversicherung trifft.

Neue Gebührenordnung trifft auch GKV-Versicherte

Von einer Anhebung der Gebührensätze beim Zahnarzt wären auch Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen betroffen. Zwar bliebe bei den Regelleistungen, welche direkt über die Krankenkasse abgerechnet werden, alles beim Alten. Jede Leistung, die darüber hinausgeht, muss aber auch der GKV-Versicherte mit dem Zahnarzt abrechnen. Und unterliegt dann der neuen Gebührenordnung. Unterm Strich werden durch Honorarerhöhungen alle Verbraucher belastet. Privatversicherte müssen neben den höheren Kosten für den Zahnarztbesuch am Ende vielleicht sogar mit höheren Beiträgen rechnen.

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