PKV muss Naturheilverfahren beim Heilpraktiker zahlen

Kosten für Naturheilverfahren sind auch bei Misserfolg zu erstatten

Vor dem Amtsgericht in Mönchengladbach fand ein Prozess statt, an dessen Ende die private Krankenversicherung ( PKV ) der Klägerin zur Kostenerstattung der gemäß des im Vertrag vereinbarten Rahmens für alternative Heilmethoden beim Heilpraktiker verurteilt wurde. Entscheidend ist die Anerkennung der Behandlung als Naturheilverfahren und nicht, ob die Wirkungsweise der Naturheilmethode allgemein anerkannt ist. Damit ist wohl ein Präzedenzfall und somit Gewissheit in Sachen Behandlung mit alternativer Medizin und Naturheilverfahren allgemein geschaffen.

Private Krankenversicherung verliert vor Gericht

Die Klägerin leidet an Neurodermitis und hatte sich in die Behandlung bei einem Heilpraktiker begeben.

 Die durchgeführte Behandlung führte zu keiner relevanten Linderung der Beschwerden.Die bei der Versicherung zur Erstattung eingereichte Rechnung des Heilpraktikers wurde zurückgewiesen, wobei der Patientin im ersten Schreiben die Erfolglosigkeit neben der laut Versicherung nicht gegebenen Anerkennung des gewählten Verfahrens als Grund für die Ablehnung der Kostenerstattung genannt wurde.
Die Erfolglosigkeit spielte im Gerichtsverfahren keine Rolle mehr, da die Gesellschaft ihre Angabe als Ablehnungsgrund bedauerte und sie als einen Fehler des zuständigen Sachbearbeiters darstellte. Sie argumentierte lediglich, dass die zur Anwendung gekommene Behandlung nicht allgemein anerkannt sei, so dass die Klägerin keinen Anspruch auf Erstattung habe. Das Gericht folgte dieser Auffassung nicht. Zwar werden die meisten naturmedizinischen Behandlungsformen seitens der Schulmedizin tatsächlich nicht anerkannt; für die Erstattungsfähigkeit bei einem Heilpraktikerleistungen und naturheilkundliche Behandlungen ausdrücklich einschließenden Versicherungsvertrag ist aber alleine maßgeblich, dass die erbrachte Behandlung nach den Standards der Naturmedizin anerkannt ist.

Offen ist weiterhin die Frage, ob in Wirklichkeit nicht doch die Erfolglosigkeit der Behandlung die Weigerung der Versicherung zur Kostenerstattung ausgelöst hatte. Da es im Wesen der Medizin liegt, dass ein Erfolg häufig nicht garantiert werden kann, wäre ein solches Verhalten eine unangemessene Benachteiligung der Versicherten.

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