PKV mit „krasser Fehlversorgung“?

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz zeigte sich am Dienstag in Berlin erschrocken. Scheinbar wissen viele Privatpatienten nicht, dass sie keinen Anspruch auf die Kostenübernahme für eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) haben. PKV-Mitglieder würden so im Vergleich zu gesetzlich Versicherten vernachlässigt und unterlägen einer „krassen Fehlversorgung“.

Palliativversorgung: Kein Rechtsanspruch auf Kostenerstattung

Sterbenskranke haben die Möglichkeit, in heimischer Umgebung bis zum nahenden Tod von SAPV-Teams begleitet zu werden. Neben der medizinischen Behandlung und der Pflege stehen ihnen dabei auch Seelsorger zur Seite. Doch laut der Deutschen Stiftung Patientenschutz hat kein privater Krankenversicherer die SAPV in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen aufgenommen. Bei der Kostenübernahme müssen sich schwerstkranke Patienten daher auf die Kulanz des Versicherers verlassen. „Eine Kostenübernahme auf Kulanzbasis kann nicht mit einem Rechtsanspruch gleichgesetzt werden“, kritisiert der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch.

PKV-Verband weist Kritik zurück

Es kann demnach vorkommen, dass PKV-Versicherte die Kosten selbst tragen müssen, wenn die Versicherung keine oder nur einen Teil der SAPV-Kosten erstattet. GKV-Versicherte haben hingegen einen Rechtsanspruch auf Kostenübernahme, sodass die Stiftung von einer „krassen Fehlversorgung“ spricht. Ein konkretes Fehlverhalten kann den privaten Krankenversicherern jedoch nicht nachgewiesen werden. Der PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach weist die Kritik an der privaten Krankenversicherung zurück. Dem Versicherungsjournal sagte Leienbach, die Stiftung mache ihre Aussage nur von einer Patientenbeschwerde abhängig, bei der die Behandlung im Verfahrensverlauf ohnehin bezahlt wurde.

Private Krankenversicherer erstatten SAPV-Leistungen

Für Leienbach ist es nicht verwunderlich, dass die Deutsche Stiftung Patientenschutz keine weiteren Fälle nennen kann. „In aller Regel erstatten die privaten Krankenversicherer diese Leistungen, wenn auch auf anderer rechtlicher Grundlage als bei Kassenpatienten“, so der PKV-Verbandsdirektor. Auch wenn bisher die Kostenerstattung auf Kulanzbasis funktioniert hat, weist Brysch darauf hin, dass die Lücke im Versicherungsschutz der privaten Krankenversicherung jeden Privatpatienten treffen könnte. Nur drei von 23 Versicherern sollen die Kosten für die stationäre Hospizversorgung übernehmen. Diese Leistungen sind so für 1,4 Millionen der 8,9 Millionen Privatversicherten zugänglich.
 

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