PKV: Krankenversicherung zwischen Provision und Bürgerversicherung

Die „Ärzte Zeitung“ spricht von einer verzweifelten PKV und auch andere Medien lassen derzeit kein gutes Haar an der privaten Krankenversicherung. Nach dem anfänglichen Aufwind, der die PKV ins neue Jahr 2011 trug, ist der Gegenwind rauer geworden. SPD und die Linke wollen die private Krankenversicherung abschaffen. Und auch die Beitragsanpassungen sowie die Debatte um Maklerprovisionen machen es privaten Krankenkassen schwerer. Was denkt die Branche aber darüber?

DKV-Chef im Interview

Im „Tagesspiegel“ hat sich jetzt Clemens Muth, Chef der DKV, zu den strittigen Themen der Zeit geäußert.

Und zeichnet im Interview ein teilweise heterogenes Bild einer Branche, die in der Wahrnehmung mancher Verbraucher tatsächlich auf eine Krise zu zusteuern scheint. Ein großer Punkt ist und bleibt die Beitragsentwicklung. Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung, wo die Prämien an die Einkommen geknüpft sind, stehen hinter dem Beitrag der PKV andere Gesetzmäßigkeiten.

Und in der Vergangenheit haben viele Privatversicherte über immer schneller steigendere Beiträge geklagt. Eine Tatsache, die Muth durchaus anerkennt. Ein Grund: Laut DKV-Chef wollen „leider manche Leistungserbringer – Ärzte, Kliniken, Labore – bei Privatversicherten möglichst viel herausholen“. Aber auch die PKV wird einen Teil der Schuld bei sich suchen müssen – und den Ausgaben für die Verwaltung.

Provisionen als Reizthema

In Bezug auf die seit Monaten geführte Debatte um die Provisionen für Vermittler privater Krankenversicherungsverträge fand Clemens Muth gegenüber dem „Tagesspiegel“ eindeutige Worte. „Was wir am Markt sehen, ist stellenweise ruinös“, so Muth. Nach eigener Aussage des DKV-Chefs beteiligt sich dessen private Krankenkasse nicht am „exzessiv gewordenen Provisions-Wettlauf“. Es werden Provisionen gezahlt, die zehn Monatsbeiträge nicht übersteigen.

Auf die Frage nach der Bürgerversicherung reagierte Muth im Interview gelassen. In den Augen des PKV-Chefs sind viele Details noch ungeklärt. Sorge bereitet Clemens Muth allerdings die Tatsache, dass die Arbeitgeber stärker in die Pflicht genommen werden sollen – in einem Land, das besonders auf die Qualifikation seiner Arbeitnehmer angewiesen ist.

 

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