PKV: Kein Versicherungswechsel bei Schwangerschaft

Die Schwangerschaft ist für viele Familien die Erfüllung eines lange gehegten Traums. Allerdings sehen private Krankenversicherer dies anders. Einem Bericht des Deutschlandfunks zufolge haben Schwangere Probleme beim Abschluss einer PKV. Branchenkennern hegen ernste Zweifel, ob das Verhalten einiger privater Krankenkassen mit geltendem Recht und Gesetz vereinbar ist. Der Branchenverband spricht unterdessen nur von Einzelfällen.

Schwangerschaft als Wechselrisiko

Wer während der Schwangerschaft die private Krankenversicherung wechseln will, muss scheinbar mit Problemen rechnen.

Wie der Deutschlandfunk in einem Magazin berichtet und sich dabei auf Verbraucherschützer beruft, ist es vor allem die Frage nach der Schwangerschaft im Antragsformular, die Verbraucherzentralen am meisten stört. Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin kritisierte die Frage der Versicherer.

Und sieht einen Konflikt mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Der Grund: In den Augen der Verbraucherschützer bezieht sich die Frage auch auf den Vertragsabschluss. Schwangere Frauen würden als Folge ungleich behandelt. Auch das Offenlassen der Frage bringt keine Punkte. Die Verbraucherschützer sind allerdings nicht die einzigen Kritiker dieser Praxis. Auch Versicherungsexperten sehen in dem Verhalten der PKV Konfliktpotenzial.

Experten kritisieren PKV

Denn die Begründung der privaten Krankenversicherung für Ablehnung schwangerer Neukunden sind die Kosten, welche mit der Entbindung und der Schwangerschaft verbunden sind. Auch Fehlgeburten spielen hier eine große Rolle. Denn die Versicherer akzeptieren den Antrag laut Versicherungsvermittler Ozan Sözeri nur mit Risikoaufschlägen. Eine Tatsache, die in den Augen des Experten höchst fragwürdig ist, da Risikoaufschläge nur bei Vorerkrankungen erhoben werden dürfen, zu denen die Fehlgeburt aber nicht zählt.

PKV-Verband wiegelt ab

Der PKV-Verband spricht im Zusammenhang mit dem Thema Schwangerschaft und den angesprochenen Schwierigkeiten von Einzelfällen. Laut Stefan Reker vom Bundesverband der Privaten Krankenversicherungen gibt es in der PKV ganz klar eine Gleichbehandlung. Allerdings spricht Reker davon, auch „Ungleiches ungleich behandeln“ zu müssen. Mit Einführung der Unisex-Tarife 2012 werden Schwangere sicher auch in der PKV anders bewertet werden.

 

 

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