PKV: Immer mehr Versicherte im Basis-, Standard- und Notlagentarif

Können Privatversicherte ihre Beiträge nicht mehr zahlen, besteht die Möglichkeit, in den Standard- oder Basistarif zu wechseln. Dort sind die Kosten gedeckelt und die Leistungen begrenzt. Wie die Bundesregierung nun mitteilt, hat sich die Zahl der Versicherten in diesen Tarifen in den letzten fünf Jahren um knapp ein Viertel auf 75.000 Menschen erhöht.

Mehr Ausgaben für die Krankenversicherung beklagen nicht nur gesetzlich Versicherte, sondern auch Privatversicherte. Sowohl in der GKV als auch in der PKV lassen sich die Beitragserhöhungen unter anderem auf steigende Kosten im Gesundheitssystem zurückführen. Aktuelle Zahlen zeigen nun, dass sich immer mehr Menschen die PKV-Kosten nicht mehr leisten können und in günstigere Ausweich-Tarife wechseln. Diese sehen Leistungen auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung oder sogar nur eine Notfallversorgung vor.

Immer mehr Menschen können PKV-Kosten nicht stemmen

Wie die Bundesregierung auf Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen mitteilt, gibt es nun knapp 75.000 Versicherte im PKV-Basis- und Standardtarif, berichtet die Frankfurter Rundschau. In beiden Tarifen zahlen Privatversicherte maximal den Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung. Das Datum des Versicherungsabschlusses entscheidet, ob sie in den Standard- oder Basistarif wechseln. Im Basistarif sind der Regierung zufolge 44 Prozent der Versicherten zwischen 40 und 65 Jahre alt. Über 16.000 Personen in diesem Tarif leisten außerdem aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten nur den halben Beitrag – und somit vier Mal so viele Menschen wie noch 2009.

15.000 Privatversicherte im Notlagentarif

Auch die Zahl der Versicherten im Notlagentarif ist gestiegen. Schon 2013, als der Tarif eingeführt wurde, verzeichnete er 93.000 Personen. Nun sind es 115.000 Menschen, die in den Notlagentarif überführt wurden, da sie ihre Beiträge nicht mehr zahlen können. Die Kosten liegen bei bis zu 102 Euro im Monat, wofür Versicherte eine Notfallversorgung bekommen. „Im Schnitt bleiben sie immerhin neuneinhalb Monate in diesem Tarif“, so die Frankfurter Rundschau.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, hatte in ihrer Anfrage speziell nach der Situation älterer Menschen mit privater Krankenversicherung gefragt. Aus ihrer Sicht hat die Regierung jedoch ausweichend und beschönigend geantwortet. „Die PKV ist für die Bundesregierung offenbar schutzbedürftiger als die vielen Rentnerinnen und Rentner mit kleinen Einkommen in der PKV“, kritisiert die Politikerin daher die Antwort der Regierung.

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