PKV: Grüne wollen private Rückstellungen abschöpfen

Nachdem sich in der Unionsfraktion vor wenigen Wochen einige Abgeordnete für einen Kapitalstock in der Pflegeversicherung ausgesprochen haben und von den Grünen unterstützt worden sind, deutet sich ein Richtungswechsel an. Statt des Kapitalstocks will die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen die Rückstellungen der PKV und die Mieteinkünfte verwenden.

Kapitalstock ist möglich aber nicht sinnvoll

Nach den Plänen der Unions-Abgeordneten sollte jeder Versicherte einen Beitrag von fünf Euro beisteuern, um in Zukunft eine ausreichende Pflege zu gewährleisten.

Denn wenn in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in die Pflegebedürftigkeit fallen, müssen finanzielle Vorkehrungen getroffen werden, um dies kompensieren zu können. Dafür sollte nach Meinung der Union eine „solidarische Demografiereserve“ entstehen.

Nachdem die Grünen diesen Gedanken zuerst unterstützten, haben hat eine von ihnen in Auftrag gegebene Studie dazu geführt, dass die Bundestagsfraktion ihre Meinung geändert hat. Der Kapitalstock wurde von Professor Heinz Rothgang, Autor der Untersuchung, als „möglich, aber wenig sinnvoll“ bezeichnet. Rothgang ist der Meinung, dass mit einer derartigen Kapitalreserve die Beitragsanpassungen lediglich zeitlich begrenzt abgefedert werden. Er erklärte, dass in rund 50 Jahren, wenn die Reserven aufgebraucht seien, die Beiträge auf dieselbe Höhe ansteigen würden, die sie ohne Kapitalstock erreichen würden.

PKV Versicherte und Mieteinnahmen mit einbeziehen

Die neuen Überlegungen der Grünen zur Finanzierung der Pflegeversicherung bezieht nicht nur die Kassenpatienten in das Konzept mit ein, sondern auch die PKV-Versicherten. Die Rücklagen der PKV belaufen sich auf rund 20 Milliarden Euro und sollen in die Sozialversicherung umgelagert werden, so die zuständige Sprecherin der Grünen, Elisabeth Scharfenberg. Des Weiteren sehen die Grünen in den Mieten und Kapitaleinkünften eine weitere Quelle, aus denen Mittel abgeschöpft werden können.

Die Grünen wollen den Einstiegssatz von derzeit 1,95 bis 2,2 Prozent auf 1,75 Prozent senken und erwähnen eine maximale Steigerung auf 3,2 Prozent bis 2055. Darin berücksichtigt sind Leistungsausweitungen um 15 Prozent, so der Fraktionsvorsitzende Fritz Kuhn.

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr