PKV GKV: innovative Medizin bald Privileg?

Der medizinische Fortschritt hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass zahlreiche Krankheiten, die noch vor Jahren als unheilbar galten, heute behandelt werden können. Allerdings verursachen diese innovativen Verfahren oft hohe Kosten, die von den gesetzlichen Krankenkassen nun nicht mehr vollumfänglich übernommen werden sollen. Da die Private Krankenversicherung (PKV) auch solche Verfahren bezahlt, könnte die Kluft zwischen gesetzlicher Krankenkasse und private Krankenversicherung in Zukunft größer werden.

Der GKV-Spitzenverband kündigte im Dezember 2010 an, dass diese High-Tech-Medizin nur an noch speziellen Innovationszentren durchgeführt werden kann. Der Grund hierfür ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen von den Leitungen eines Operationsroboters, von Laserbestrahlungen oder von Ballonkathedern nicht vollständig überzeugt sind, denn der Nutzen sei bei diesen Behandlungsmethoden nicht in jedem Fall erwiesen.

Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisiert Bürokratisierung

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisierte die Entscheidung des GKV Spitzenverbandes. Hauptgeschäftsführer Georg Baum äußerte sich gegenüber dem Ärzteblatt besorgt, dass hierdurch nicht nur eine „bürokratische Überregulierung“ entstünde, sondern dass dem medizinischen Fortschritt gleichzeitig große Steine in den Weg gelegt würden. Auch würden „normale“ Kliniken durch diese Entscheidung degradiert.

Die Krankenkassen jedoch verteidigen ihre Entscheidung damit, dass bereits zahlreiche Behandlungen genutzt würden, deren Nutzen sich später nicht gezeigt hätte. Dies würde bei den gesetzlichen Krankenkassen zu hohen Mehrkosten führen, die nicht finanzierbar sind.

PKV Versicherte nicht betroffen

Diese Entscheidung der gesetzlichen Krankenkassen betrifft Versicherte der privaten Krankenversicherung  jedoch nicht. Ihr individueller Versicherungsvertrag regelt hier, welche Leistungen in Anspruch genommen werden können. Entscheidend für die Inanspruchnahme innovativer Medizintechnik ist unter anderem die Tatsache, dass Privatpatienten ihr Krankenhaus frei wählen können, gleichzeitig erstatten die privaten Krankenkassen Leistungen über dem Höchstsatz der Gebührenordnung. Dies ermöglicht, auch teurere Verfahren für die Behandlung des Patienten zu nutzen und so eine vollumfängliche Versorgung sicherzustellen.

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