PKV gegen GKV: „Irgendwann kommt der Hilfeschrei“ der PKV
Die private und die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gehen in ihrem verbalen Schlagabtausch, welche Krankenversicherung die bessere sei, in eine neue Runde. Während Doris Pfeiffer, Chefin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung, das Ende der privaten Krankenversicherung (PKV) einläutet, wehrt sich Uwe Laue, Chef des größten Privatversicherers Debeka, beharrlich dagegen.
Eingliederung der neun Millionen PKV-Versicherten in die GKV?
Aus Sicht von Doris Pfeiffer, der Chefin des GKV-Spitzenverbandes, „wird sich das System PKV auf Dauer nicht tragen“, wie sie der Nachrichtenagentur Reuters sagt. Daher sei auch keine Entscheidung der Politik für oder gegen die PKV nötig. „Irgendwann kommt der Hilfeschrei und dann ist die Frage, wie man das politisch löst.“ Doch was würde passieren, wenn das Ende der PKV wirklich kommt? Pfeiffer rechnet mit keiner „üppigen Entlastung“ aus finanzieller Sicht, aber auch mit keiner Mehrbelastung der gesetzlich Versicherten durch die Eingliederung der Privatversicherten. Jedoch müsse dann dringend geklärt werden, wie Einlagen und Unternehmen geschützt werden können.
Hauptkritikpunkt: Steigende Beiträge der PKV
Besonders das Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherung werde ihr zum Verhängnis, so die Prognose Pfeiffers. „Wenn man jungen Versicherten niedrige Prämien mit einem scheinbar unbegrenzten Leistungsangebot offeriert, kann das auf Dauer nicht funktionieren.“ Debeka-Chef Uwe Laue hält dagegen, indem er darauf verweist, dass die PKV „mit ihrem Aufbau an Reserven für das Alter deutlich besser auf die demografische Entwicklung vorbereitet“ ist als die GKV. Diese habe dafür keine Reserven. Tatsächlich fließt ein Teil der Versicherungsbeiträge für die PKV in Altersrückstellungen, die verzinst werden und die Kosten für den höheren medizinischen Aufwand für die Versicherten im Alter abfangen soll.
Kontra der Debeka: Keine Beitragsänderungen
Laue verweist darauf, dass sich die Beiträge für ein Viertel der 2,2 Millionen Debeka-Versicherten im kommenden Jahr nicht ändern werden. Jedoch verschweigt Laue gleichzeitig, dass sich die PKV-Tarife für Neukunden zum Jahresende einerseits ändern werden, weil die Unisextarife eingeführt werden. Andererseits wird der Rechnungszins gesenkt, sodass Versicherungswillige mit einer höheren Prämie rechnen müssen. Diese Entwicklungen werden auch für Bestandskunden langfristig Konsequenzen haben.
„Fairer Wettbewerb beider Systeme“
Christoph Staub sagte in seiner Position als Chef der Barmer GEK dem Handelsblatt gegenüber, dass er nicht dafür sei, die private Krankenversicherung abzuschaffen. Besser sei ein „fairer Wettbewerb beider Systeme.“ Dazu müsse jedoch die PKV Probleme beseitigen, wie zum Beispiel die Finanzierung der Altersrückstellungen bei sinkenden Zinsen am Kapitalmarkt. Erst letzte Woche hatten die Debeka und die DKV ein Absenken des Rechnungszinses von 3,5 Prozent auf 2,75 Prozent bestätigt. Dies kann als erster, notweniger Schritt in Richtung Annäherung beider Krankenversicherungssysteme gewertet werden.
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