PKV: Gefährliche Deckungslücke bei Lebend-Organspenden

Politik und Medizin machen sich seit Jahren für mehr Organspenden in Deutschland stark, um die Leben betroffener zu retten. Und prominente Beispiele zeigen, dass es auch die Lebendspende sein kann, die Schicksale rettet. Allerdings machen die Medien jetzt auf eine Tatsache aufmerksam, die einigen Spendern die noble Absicht vergehen lassen könnte. In der PKV droht Lebendspendern eine Deckungslücke, falls sie eine Nachbehandlung brauchen.

Leben retten und dafür bestraft werden

Auf den Missstand haben im Übrigen nicht Patienten oder Politik hingewiesen – es war die Branche selbst.

Volker Leienbach, Direktor des PKV-Verbands, weist mit Nachdruck darauf hin, dass man dringend an dem Problem arbeiten muss. „Wir müssen uns zusammensetzen und eine schnelle, unbürokratische Regelung zu finden“, so Leienbach auf der DKM 2011 (größte deutsche Fachmesse der Finanz- und Versicherungsbranche). Was steckt dahinter?

Viele Betroffene, die ohne Organspende nicht mehr weiterleben können, werden durch die Lebendspende gerettet – etwa durch Rückenmark- oder Nierentransplantation. Allerdings – und hier beginnen für Privatversicherte die Probleme – entstehen die Behandlungskosten nicht durch eine Krankheit, weshalb die PKV hier nicht leisten muss. Die Versicherten sind daher auf das Wohlwollen der Krankenversicherung angewiesen. Wer in der PKV ein Organ spendet, wird für diesen lebensrettenden Akt am Ende also noch bestraft.

Mehr als eine Baustelle in der PKV

Für die private Krankenversicherung ist das Problem der Nachbehandlung nach einer Organspende ein dringendes Problem, welches angegangen werden muss. Darin stimmt auch der Ombudsmann der PKV mit anderen Befürwortern einer schnellen und nachhaltigen Lösung überein. Aber die Organspende ist längst nicht die einzige Baustelle der privaten Krankenversicherung. Auch in anderen Bereichen sehen Experten Nachholbedarf.

Dies gilt unter anderem für die Arznei- und Heilmittelkataloge. Letztere werden zum Vertragsschluss geschlossen und lassen sich anschließend nur schwer anpassen. Neue Entwicklungen und der medizinische Fortschritt gehen dann an der PKV vorbei. Eine Tatsache, welche die Branche selbst als Nachteil empfindet und sich in diesem Zusammenhang einen breiteren Gestaltungsspielraum wünscht, um den Patienten eine gleichbleibend hohe Qualität in der Heilmittelversorgung zu liefern.

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