PKV Drei-Jahres-Frist: Abschaffung oder Verkürzung der Wartezeit?

Drei-Jahres-Regelung in privater Krankenversicherung als Wartefrist für Angestellte auf dem Prüfstand

Nachdem die Anhebung des Beitragssatzes zur gesetzlichen Krankenkasse beschlossen wurde, widmet sich die große Koalition unter Philipp Rössler nun der Privaten Krankenversicherung (PKV). Hier steht seit einiger Zeit die die sogenannte PKV Drei-Jahres-Frist zum Wechsel in die Private Krankenversicherung auf dem Prüfstand. Momentan können Angestellte und Arbeitnehmer im Gegensatz zu Selbständigen und Freiberuflern die gesetzliche Krankenkasse in Richtung Private Krankenversicherung nur unter Einschränkungen und Auflagen wechseln. So müssen sie einen Bruttogehalt in drei aufeinander folgenden Jahren oberhalb der Versicherungspflichtgrenze (derzeit 49.950 Euro/Jahr) nachweisen, um eine PKV abschließen zu dürfen. Diese Wartezeit soll laut Plänen von Rössler entweder auf ein Jahr verkürzt oder gar ganz abgeschafft werden.

Opposition spricht von „knallharter Klientelpolitik“

SPD und Grüne laufen Sturm gegen die Pläne der Regierung, die Wartezeit zu verkürzen oder gar abzuschaffen. Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD Karl Lauterbach bezeichnet die Entwürfe als sozial unsozial, da sie eine große Mehrheit belaste und eine privilegierte Minderheit bevorzugt: „den 90 Prozent gesetzlich Versicherten kürzt der Minister die Nettoeinkünfte durch Kopfpauschalen. Gleichzeitig verspricht er den zehn Prozent Privatpatienten Erleichterungen“, laut Lauterbach sei dies „die altbekannte knallharte Klientelpolitik der FDP“. In der Tat belaste die Abwanderung der „Gutverdiener von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung das Gesundheitssystem laut einer IGES-Studie pro Jahr um 750 Millionen Euro. Diese Mehrbelastung, so die Opposition, müsse der ohnehin geschröpfte „kleine Mann“ aufbringen.

Massenweiser Wechsel in die Private Krankenversicherung befürchtet

Mit der Verkürzung oder gar der Abschaffung der PKV Drei-Jahres-Regelung wird ein massenhafter Wechsel von der GKV in die PKV erwartet und von vielen befürchtet. Nach der Beitragserhöhung für die gesetzliche Krankenkasse können sich viele gut verdienende Angestellte und Arbeitnehmer mit der PKV oft sowohl günstiger als auch mit komfortableren Versicherungsleistungen krankenversichern. Vor allem Versicherte in jungen Jahren und ohne gesundheitliche Vorbelastung werden von der PKV mit besonders günstigen Tarifen bevorzugt, die jedoch im Alter aufgrund geringer Altersrückstellungen erheblich teurer werden können. Deshalb ist ein Private Krankenversicherung Vergleich vor einem Wechsel in die PKV dringend ratsam, um einen Überblick über sämtliche Angebote zu erhalten.

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