PKV: Differenzierte Betrachtung für Selbständige notwendig

Die Private Krankenversicherung steht in den nächsten Jahren vor erheblichen Herausforderungen. Neben den steigenden Kosten im Gesundheitswesen sind die Einstiegstarife ein Problem, dem sich die privaten Krankenversicherer verstärkt werden stellen müssen. Damit einher geht auch eine kritischere Betrachtung einer der Hauptzielgruppe, die sich mit diesen Tarifen anlocken lassen – Selbständige mit einem niedrigen Einkommen. Sorgt diese Klientel doch zunehmend für Probleme, speziell unter dem Gesichtspunkt der Beitragsrückstände.

PKV nicht uneingeschränkt zu empfehlen

Die PKV steht Selbständigen rein vom gesetzgeberischen Standpunkt aus generell offen (§ 6 SGB V).

Das Besondere: Eine Einkommensgrenze wie bei den Angestellten muss nicht erreicht werden. Genau mit dieser Tatsache beginnen die Probleme. Viele Neukunden der PKV, die in selbständiger Arbeit für den Lebensunterhalt sorgen, ziehen für ihre Entscheidung zur Absicherung gegen Krankheitskosten in erster Linie den Beitrag heran, lassen aber die langfristige Beitragsentwicklung außer Acht.

Somit unberücksichtigt bleibt eine der wesentlichen Kennzahlen der PKV – die Beitragsstabilität. Die Folge: Im Alter kann der PKV-Beitrag ein Niveau erreichen, das die finanzielle Belastbarkeit der PKV-Versicherten übersteigt. Parallel weisen Experten zunehmend auf ein anderes Problem hin. Gerade in den Einstiegstarifen wird an den Leistungen gespart. Damit bleiben die Privatversicherten auf einem nicht unerheblichen Teil der Kosten im Krankheitsfall sitzen.

Differenzierte Sichtweise für PKV

Welche Auswege bieten sich Selbständigen mit einem niedrigen Einkommen? Wer noch die Wahl hat, kann sich in der GKV freiwillig krankenversichern. Hier richtet sich der Beitrag nach der Einkommenshöhe, spiegelt also die tatsächlichen Lebensumstände realer wider. Und noch einen Vorteil hat die GKV. In der PKV existiert keine beitragsfreie Familienversicherung. Daher muss für jedes Kind, das über den selbständigen Elternteil versichert wird, ein eigener Beitrag finanziert werden.

Selbständige müssen sich sehr genau fragen, unter welchem Umständen die PKV sich tatsächlich lohnt. Zwar bietet sie den Vorteil flexibler Leistungen, die vertraglich fixiert werden. Allerdings ist die private Krankenversicherung durch die Beitragsstruktur eine Formel mit mehreren Unbekannten.

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