PKV: Die unangenehme Kostenfalle Billigtarif

Experten haben von Anfang an vor den Folgen der Billigtarife gewarnt, trotzdem nahm beinahe jede Gesellschaft Billigtarife in ihr Konzept auf. Jetzt müssen Beiträge massiv erhöht werden. Nicht nur haben die Billigtarife ein großes Loch in die Haushaltskassen der Versicherungen gerissen, auch haben sie dem Image der privaten Versicherungsbranche geschadet. Einige Versicherer treffen bereits Vorkehrungen für eine Zukunft ohne private Krankenvollversicherung.

Kostensteigerungen in den Billigtarifen

Das Analysehaus Franke und Bornberg aus Hannover (Franke und Bornberg GmbH, Prinzenstraße 16, 30159 Hannover), hat in einer Untersuchung herausgefunden, dass mindestens in 11 Versicherungsgesellschaften ein Anstieg im zweistelligen Bereich bevorsteht.

Dies geht aus einer Pressemeldung vom 31. November 2011 hervor. Nach Erkenntnissen des Analyseunternehmens reichen die Erhöhungen in den Einsteigertarifen von 11 bis 23 Prozent. Aber nicht nur Versicherte in Billigtarifen müssen Erhöhungen hinnehmen. Wie in den vergangenen Tagen bekannt wurde, sind auch Bestandskunden in anderen Tarifen von teilweise massiven Erhöhungen betroffen.

In den meisten Unternehmen beziehen sich die Erhöhungen auch auf Neukundentarife, was dem Neukundengeschäft ab 1.1.2012 einen weiteren Stein in den Weg legen wird. Durch die Anhebung der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) auf 50.850 Euro sind Experten sowieso schon davon ausgegangen, dass das Neukundengeschäft im kommenden Jahr zurückgehen wird. Die überdurchschnittlichen Beitragserhöhungen dürften diesen Trend weiter unterstützen.

Neukunden haben sich oft übernommen

Die Billigtarife waren dafür gedacht, dass sich Jungunternehmer in der PKV anmelden und nach kurzer Zeit in höherwertige Tarife wechseln, denn weder können die Unternehmen in den Billigtarifen Geld verdienen, noch wird den Versicherten oft ein ausreichender Schutz geboten. Doch die Zahl derer, die in bessere Tarife wechselten, blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Dafür stieg die Zahl derer, die keine Beiträge zahlten. Diese Lücke muss nun von den Unternehmen geschlossen werden.

Diese Entwicklung hat auch in der Politik dazu geführt, dass sich immer mehr Gegner der PKV finden, die für eine einheitliche Bürgerversicherung plädieren. Die drei großen privaten Versicherer – Allianz KV, Central und DKV – planen scheinbar bereits die Arbeit an neuen Konzepten ohne Krankenvollversicherung, um sich in Zukunft auf den Zusatzversicherungssektor zu konzentrieren.

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