PKV Billigtarife: Qualität statt niedrige Beiträge

Die private Krankenversicherung hat den günstigen Einstiegstarif lange als Mittel zur Gewinnung von Neukunden angesehen. Inzwischen scheint sich allerdings bei einigen Versicherern in der PKV eine gewisse Ernüchterung einzustellen. Denn die erhofften Zuwächse und Wechselbewegungen bleiben aus. Stattdessen werden Einstiegstarife zu einem Problemfall – für Versicherer und die Versicherten.

DKV und Central – zwei Einzelfälle?

Wer in den letzten Monaten die Schlagzeilen aus dem Ressort Gesundheitswesen und Krankenversicherung aufmerksam gelesen hat, dürfte hin und wieder auf Berichte zu säumigen Beitragszahlern, Imageverlust und den PKV Billigtarifen gelesen haben.

In diese Rubrik gehört auch der Strategiewechsel von DKV und Central Krankenversicherung, die beide ihre Einstiegstarife fallen lassen. Handelt es sich hier um Einzelfälle?

Auf den ersten Blick liegt der Verdacht nahe, dass es tatsächlich nur die beiden privaten Krankenversicherer sind, die mit den Einstiegstarifen keinen zufriedenstellenden Erfolg erzielen. Allerdings kann beim Lesen zwischen den Zeilen durchaus der Anlass entstehen, dass es sich in Teilen um deutlich weiterreichende Probleme handelt. Gerade die Klientel, welche sich von den Einstiegstarifen mit niedrigeren Leistungen und günstigeren Beiträgen anziehen lässt, ist Teil des Problems.

PKV als Kostenfalle

Gerade Selbständige und Freiberufler nutzen die Chance, schnell und günstig aus der GKV in die PKV wechseln zu können. Allerdings hat dieser Schritt erhebliche Folgen. Einerseits muss ein Teil der Kosten im Krankheitsfall – aufgrund abgespeckter Leistungen – aus eigener Tasche finanziert werden. Parallel sind es gerade Selbständige mit niedrigeren Einkommen, die in Zeiten finanzieller Engpässe bewusst an der PKV sparen. Schließlich kann die private Krankenkasse nicht einfach wegen ausstehender Prämien kündigen.

Was unterm Strich bleibt, sind Nachteile für beide Seiten. Die PKV bleibt auf Kosten sitzen, welche auf alle Versicherten verteilt werden. Und muss zusehen, wie das Image durch die abgespeckten Leistungen leidet. Und Versicherte in den Einstiegstarifen sehen sich Problemen gegenüber, wenn diese im Zuge des Umdenkens von der PKV eingestellt werden. Das Fazit ist damit klar: In der PKV zählen zuerst die Leistungen, dann der Preis.

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