PKV: Billige Alternative zur GKV?

Für viele Versicherte, die sich in den letzten Jahren für die private Krankenversicherung (PKV) entschieden haben, spielten die vergleichsweise günstigen Kosten für die Gesundheitsversorgung eine wichtige Rolle. Wer sich von einem Billigtarif locken ließ, musste in der Folge mit Beitragssteigerungen und einem schlechten Leistungsniveau leben.

Billig mit schlechterem Leistungsniveau

Ein wichtiges Werbeargument vieler privater Krankenversicherer waren in der Vergangenheit immer wieder die so genannten Einsteigertarife. Vor allem gut verdienende Angestellte, die in ihrer gesetzlichen Krankenkasse Höchstsätze von bis zu 600 Euro im Monat zahlen mussten, entschieden sich für einen privaten Krankenversicherungsschutz zu wesentlich niedrigeren Prämien. Dass eine billige PKV jedoch auch weniger Leistungen bieten kann, war den wenigsten Kunden von Vornherein bewusst. Wer einen billigen PKV-Tarif mit einem hohen Selbstbehalt vereinbarte, merkte spätestens im Krankheitsfall, dass sehr hohe zusätzliche Kosten anfielen, die er aus der eigenen Tasche zahlen musste.

Prämienerhöhungen für PKV-Kunden

Wegen Unrentabilität und Fehlkalkulationen haben einige private Krankenversicherer die Billigtarife wieder aus ihrem Produktportfolio entfernen müssen. Die Tarife, die besonders für junge und gesunde Neukunden anfangs deutlich billiger als der gesetzliche Krankenversicherungsschutz ausfielen, standen zuletzt wegen enormer Beitragssteigerungen in der Kritik von Verbraucherschützern und PKV-Gegnern. Weil die Kosten für den medizinischen Fortschritt und die höhere Lebenserwartung der Versicherten nicht ausreichend einkalkuliert waren, stiegen die Prämien für privat Versicherte zum Teil massiv an.

Abschaffung der Billigtarife?

Noch immer gibt es jedoch Versicherungsgesellschaften, die an dem Geschäftsmodell mit den Billigpolicen festhalten. Der Marktführer bei den Einsteigertarifen, die Hamburger Versicherungsgruppe Hanse Merkur, ließ erst kürzlich verlauten, dass er auch 2012 an den viel kritisierten PKV-Billigtarifen festhalten wird. Die Hanse Merkur konnte insbesondere wegen der billigen PKV-Tarife im vergangenen Jahr so viele Neukunden gewinnen wie niemals zuvor.

Kosten und Leistungen abwägen

Versicherungsnehmer, die den Wechsel in eine billige PKV erwägen, sollten die Risiken eines solchen Versicherungsschutzes gut kennen und vor allem wissen, für welche Kosten ihre Versicherung im Ernstfall aufkommt und welche medizinischen Leistungen und Medikamente sie selbst bezahlen müssen. Die Motivation, Geld einzusparen, sollte bei der Wahl der privaten Krankenversicherung eine eher untergeordnete Rolle spielen. In einem kostenlosen Vergleich lassen sich alle Tarife in Ruhe prüfen.

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