PKV: Beitragssteigerungen werden erwartet durch Unisex und Rechnungszins

Viele Privatversicherte erwarten in den nächsten Wochen Post von ihrer Krankenversicherung. Denn gegen Jahresende werden alljährlich die Bescheide für Beitragsanpassungen an die Versicherten rausgeschickt. In diesem Jahr ist es dabei sehr schwer abzuschätzen, wie sich die Prämien in den einzelnen Tarifen entwickeln werden. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle. Eins ist indes klar: Bei den Neuverträgen gibt es erhebliche Änderungen bezüglich der Beitragsberechnung.


Beitragserhöhung 2011 zu 2012

Im letzten Jahr waren einige Versicherungsgesellschaften mit erheblichen Beitragserhöhungen in die Schlagzeilen geraten. So erhöhte die Central die Beiträge teilweise um bis zu 40 Prozent. Grund für die Beitragsanpassungen nach oben waren vor allem Fehlkalkulationen bei den sogenannten Einsteigertarifen. Diese sollten mit einem reduzierten Leistungsangebot und sehr niedrigen Versicherungsbeiträgen vor allem junge Menschen in die PKV locken. Allerdings haben sich die billigen Tarife oftmals nicht rentiert, da mehr Leistungen als erwartet in Anspruch genommen worden sind. Zudem blieb eine Wechselbewegung in die teureren leistungsstarken Tarife aus. Die Central, aber auch andere Versicherungsgesellschaften mussten daher die Beiträge in den entsprechenden Tarifen stark anheben.

Prämien 2013

Auch in diesem Jahr wird es zu Beitragsanpassungen kommen. Allerdings sind die Gründe hierfür vielfältig. Einerseits werden auch normale Beitragsanpassungen nicht ausbleiben. Verändert sich beispielsweise die Versichertenstruktur in einem Tarif, können höhere Kosten als bisher entstehen, diese werden dann anteilig auf die Versicherten umgelegt. Insbesondere durch die Einführung der Unisextarife kann es beispielsweise dazu kommen, dass verstärkt Frauen in die neuen Unisex-Tarife wechseln. Denn diese sind unter Umständen weitaus günstiger. Dies hat einen einfachen Grund: Bisher mussten Frauen höhere PKV-Beiträge bezahlen, da sie auch mehr Leistungen in Anspruch nehmen und eine erhöhte Lebenserwartung haben. Ab dem 21. Dezember dürfen die Versicherungsgesellschaften jedoch nicht mehr aufgrund des Geschlechts unterschiedlich hohe Beiträge berechnen. Dadurch tragen in Zukunft Männer in der privaten Krankenversicherung das höhere Risiko von Frauen mit. Altverträge sind von der Neuregelung zwar nicht betroffen. Jedoch kann sich durch den Wechsel vieler Frauen in die neuen Tarife die Altersstruktur in den alten Tarifen erheblich verändern. Dies kann ebenso zu Beitragssteigerungen führen.

Senkung des Rechnungszinses

Ein weiterer Faktor könnte die Krankenversicherungsbeiträge bei Neuverträgen ebenfalls in die Höhe treiben. So wird derzeit diskutiert, ob es für die Krankenversicherungsgesellschaften im niedrigen Zinsumfeld überhaupt noch möglich ist, an dem bestehenden Rechnungszins von 3,5 Prozent beizubehalten. Während der Garantiezins bei den Lebensversicherungen in den letzten Jahren bereits mehrfach abgesenkt wurde, blieb der Rechnungszins stabil. Nun könnten die Krankenversicherungen jedoch gezwungen sein, ihn für Neuverträge zu senken. Geschieht dies, werden neue PKV-Kunden ab 2013 unter Umständen weitaus höhere Beiträge zahlen müssen.

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