PKV: Beitragserhöhungen angesichts Mehrausgaben unausweichlich

In der privaten Krankenversicherung werden Beitragserhöhungen auch in Zukunft unausweichlich bleiben. Zu dieser Einschätzung kommen viele Branchenkenner. Gründe für die weiter angespannte Lage sind unter anderem die erheblich steigenden Ausgaben sowie die Einführung der PKV Unisex-Tarife. So hat bereits im letzten Jahr die PKV deutlich mehr Geld ausgegeben als die gesetzliche Krankenversicherung – obwohl sie nur einen Bruchteil an Mitgliedern hat.

Privatversicherter als Goldesel

Ein Grund für die erheblichen Schwierigkeiten, mit denen die privaten Versicherer kämpfen, sind die Kosten.

Denn anders als die gesetzlichen Kassen können die privaten Krankenversicherungen deutlich weniger Druck auf die Leistungserbringer ausüben. Im Gegenteil – oft werden Privatversicherte sprichwörtlich „gemolken“. Durch die Möglichkeit, wesentlich höhere Einnahmen mit den Privatversicherten erzielen zu können, nutzen Ärzte die Freiheiten der Gebührenordnung freizügiger.

So belegt eine Untersuchung, dass zum Beispiel im Bereich der Laborkosten ein Privatpatient im Durchschnitt viermal so teuer ist wie ein Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung. Nur ein Beispiel dafür, wie deutlich die Unterschiede zwischen den Privatversicherten und den Kassenpatienten ausfallen. Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen. Und Experten fürchten, dass unter dem Eindruck der neuen GOZ sich die Kostenspirale noch weiter drehen wird. Viele Branchenkenner vernuten, dass höhere Gebührensätze seitens der Leistungserbringer auch in Zukunft häufig zum Einsatz kommen werden.

Unisex-Tarife – EuGH verordnet Gleichbehandlung

Wie genau sich der Markt nach Einführung der Unisex-Tarife ordnen wird, ist bisher unklar. Seitens der Versicherer wird aber bereits mit erheblichen Beitragssprüngen gedroht. Gerade jüngere Männer, die eine wesentliche Zielgruppe der PKV sind, müssen dann mit deutlichen Mehrausgaben rechnen. Für die Versicherungsunternehmen stellen sich noch ganz andere Herausforderungen im Zusammenhang mit den Unisex-Tarifen – wie die prognostizierten Wechselbewegungen.

Und noch ein Punkt macht zunehmend Sorgen – die steigende Zahl der Versicherten, die ihren Beitrag nicht mehr zahlen. Letzteren kann nicht einfach gekündigt werden – sie werden durch die anderen Versicherten mitversorgt. Und treiben die Kosten der privaten Krankenversicherung weiter in die Höhe.

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