PKV: Beitragserhöhung – kündigen und wechseln?

 

Die Deutsche Aktuarvereinigung hat erst kürzlich in eigenen Berechnungen festgestellt, dass die Beitragssteigerungen rein rechnerisch in der PKV und der GKV auf einem ähnlichen Niveau liegen und sich kaum unterscheiden. Dies ändert natürlich nichts an der der Tatsache, dass Beitragsanpassungen für Privatversicherte eher zu den unangenehmen Seiten des Alltags gehören. Muss die Beitragssteigerung der PKV aber tatenlos hingenommen werden? Oder gibt es geeignete Lösungsansätze?

Beitragsanpassung und Sonderkündigungsrecht

Hebt die private Krankenkasse die Versicherungsprämie an, muss der Privatversicherte dem nicht tatenlos zusehen. Der Gesetzgeber räumt in diesem Fall die Möglichkeit zur Kündigung außer der Reihe ein – das sogenannte Sonderkündigungsrecht. Letzteres ist an eine Frist von vier Wochen ab Zugang des Schreibens zur Beitragserhöhung gebunden. Jedes Mitglied der PKV kann sich also eine neue Krankenversicherung suchen und dem alten Versicherer den Rücken zukehren.

Ist dieser Schritt aber sinnvoll? Ja und Nein! Wesentlicher Kern der Frage ist die individuelle Situation des Versicherten. Der Wechsel einer privaten Krankenversicherung kann sich zum Beispiel lohnen, wenn Betroffene erst seit zwei oder drei Jahren Mitglied der PKV sind. Wer sich dagegen seit 10 oder 15 Jahren in ein und derselben privaten Krankenkasse versichert hat, sollte nach anderen Wegen suchen.

Kassenwechsel und Altersrückstellungen

Hintergrund sind die Altersrückstellungen. Letztere sind Bestandteil des PKV-Beitrags und werden quasi für einen niedrigeren Beitrag im Alter zurückgelegt. Deren Mitnahme ist bei einem Wechsel des Versicherers nur eingeschränkt möglich. Parallel müssen ältere Versicherungsnehmer mit höheren Einstiegsbeiträgen in ihrer neuen PKV rechnen, da sich das Alter nachteilig entwickelt hat und unter Umständen auch Vorerkrankungen vorliegen können.

Eine mögliche Alternative wäre der Tarifwechsel innerhalb des bestehenden Versicherers. Im Zuge dessen können zum Beispiel die Leistungen reduziert werden, Selbstbehalte erhöht usw. Ausschlaggebend für diesen Schritt ist § 204 VVG (Versicherungsvertragsgesetz). Laut § 204 Abs. 1 bleiben in diesem Fall die Rechte und Altersrückstellungen erhalten. Hinweis: Der Tarifwechsel ohne Einschränkungen/erneute Gesundheitsprüfung usw. ist nur in gleichwertige oder niedrigere PKV Tarife möglich.

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