PKV: Beitragsanpassungen ruinieren Privatversicherte

PKV und kein Ende. Wer sich kurz vor Weihnachten mit dem Gesundheitswesen beschäftigt, stößt fast immer auf ähnlich lautende Meldungen – es geht um die teils exorbitanten Beitragsanpassungen in einigen privaten Krankenversicherungen. Besonders stach immer wieder die Central Krankenversicherung aus der Masse heraus, aber auch andere Versicherer haben die Beitragsschraube zum 01. Januar 2012 deutlich fester angezogen. Das Ausmaß der Anpassungen scheint aber erst allmählich sichtbar zu werden.

Betroffen sind auch Bestandskunden

[Berlin] Aus den Erfahrungswerten der letzten Jahre heraus haben viele Privatversicherte auch für das kommende Jahr 2012 eher mit einer Beitragsanpassung zwischen fünf und sieben Prozent gerechnet.

Dass es dieses Jahr allerdings Erhöhungen gibt, die teilweise doppelt so hoch ausfallen, sorgt bei vielen Betroffenen für lange Gesichter. Und es wächst die Sorge, die PKV im nächsten Jahr nicht mehr zahlen zu können. Eine Entwicklung, welche sich auf bei den Verbraucherorganisationen bemerkbar macht.

So erhält der BdV (Bund der Versicherte) täglich Anfragen von Privatversicherten, die mit überdurchschnittlich hohen Beitragsanpassungen konfrontiert werden. Es ist die Rede, dass es in extremen Fällen sogar zu einer Beitragssteigerung von bis zu 60 Prozent kommt. Ein Versicherter mit heute 500 Euro Beitrag pro Monat müsste ab 01.01.2012 also 800 Euro aufbringen. Besonders ältere Versicherte stehen hier bereits vor einem existenziellen Problem.

Experten raten zu schnellem Handeln

Versicherte, die Post über eine Beitragserhöhung erhalten, haben ein Sonderkündigungsrecht. Experten raten Betroffenen dazu, dieses auch zu nutzen. Allerdings ist dieses Recht mit einer Frist von einem Monat verbunden, in dem man sich für die neue PKV entschieden und gekündigt haben muss. Alternativ käme noch der Tarifwechsel nach § 204 VVG in Betracht.

Eines steht allerdings fest: Verbraucherschützer halten von den aktuellen Anpassungen wenig. Und machen ihrem Ärger auch Luft, wie Michael Wortberg vom der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: „Es kann nicht sein, dass die Misswirtschaft einiger Versicherer dazu führt, dass insbesondere ältere Versicherte im Ruhestand durch zu hohe Beiträge in den finanziellen Ruin getrieben werden.“

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr