PKV-Beitrag: Nichtzahler fallen Privatversicherten zur Last

Die private Krankenversicherung steht vor einigen Herausforderungen. Neben den steigenden Kosten im Gesundheitswesen, die zwangsläufig zu Beitragsanpassungen führen, sind es vor allem säumige Beitragszahler. Bis Ende November 2010 lag deren Zahl bei fast 90.000 und erreichte damit eine ähnliche Größenordnung wie die Neuzugänge. Für den PKV-Verband entsteht damit ein Problem, welches das Eingreifen der Politik notwendig macht.

Fehlende Prämien in den Bilanzen

Für die Versicherer der PKV sind die fehlenden Prämien ein großes Ärgernis.

Nicht nur, dass Monat für Monat fehlende Beiträge in die Bilanzen eingebucht werden müssen und es im Ernstfall zum Totalausfall kommt. Säumige Beitragszahler fallen allen Versicherten zur Last. Laut Branchenbericht des PKV-Verbandes muss jeder Nichtzahler durch die anderen Mitglieder einer Krankenversicherung aufgefangen werden.

Das Paradoxe an dieser Situation: Den Privatversicherern sind teilweise die Hände gebunden, was die Sanktionierung der Nichtzahler betrifft. Mit Einführung der allgemeinen Versicherungspflicht in der Krankenversicherung, die auch in der PKV gilt, und Einführung des Basistarifs kann einem Nichtzahler nicht ohne Weiteres gekündigt werden. Daher muss der Versicherer die Kosten der PKV des gesamten Versicherungskollektivs decken.

Politisches Engagement gefordert

Wie sieht die Lösung dieses Problems aus? Der PKV-Verband pocht vor allem auf die Mitwirkung der Politik. Es sollte die Einführung eines speziellen Tarifs ins Auge gefasst werden, welcher sich unter anderem durch ein niedriges Niveau der Krankenversicherungsbeiträge auszeichnet. Gleichzeitig soll in diesem Sondertarif der PKV auf das Ansparen von Altersrückstellungen verzichtet werden. Bevor es soweit ist, müssen sich die Versicherer aber selbst helfen.

Einige Unternehmen haben bereits damit begonnen, die Bonität ihrer Neukunden unter die Lupe zu nehmen. Neben dem Gesundheitszustand und dem Alter könnte es vielleicht schon bald die Schufa-Auskunft sein, welche über die Annahme des Antrags in die PKV entscheidet. Eines sollten säumige Beitragszahler aber wissen – auch wenn die PKV nicht kündigen kann, die Leistungen auf ein Minimum zusammenstreichen kann der Versicherer sehr wohl.

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