PKV Beiträge stiegen um 23,9% – Verbraucherschützer fordern Reform bei Tarifwechsel

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) fordert eine Vereinfachung beim Tarifwechsel innerhalb der privaten Krankenversicherung. Durch die Beitragserhöhungen 2012 stiegen die Beiträge um bis zu 60%. Nur in den wenigsten Fällen (4 von 144) war ein Wechsel in einen anderen PKV Tarif problemlos möglich. Im Schnitt stiegen die Beiträge der Menschen, die sich bei den Verbraucherzentralen beschwerten um 23,9%.

Verbraucherschützer werten Beschwerden von PKV Kunden aus

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat demnach 144 Beschwerden von Verbrauchern in den letzten drei Monaten ausgewertet. Diese betrafen bundesweit Beitragssteigerungen bzw. Wechselprobleme. In den entsprechenden Fällen stiegen die Beiträge durchschnittlich um 23,9 Prozent. Dem gegenüber stehen im Schnitt Erhöhungen von sechs bis sieben Prozent auf alle Tarife gerechnet, folgt man den Aussagen der privaten Krankenversicherer. Wie teuer die aktuellen Tarife anderer Anbieter für PKV Versicherte sind, können Sie hier berechnen.

Central als Negativbeispiel der Verbraucherschützer 2011

Besonders die Central und die Gothaer fielen bei den Beschwerdefällen laut den Verbraucherzentralen übermäßig häufig auf. In einem Einzelfall war er sogar zu einer Beitragserhöhung von 60 Prozent bei einem Versicherten der Central gekommen. Besonders kritisieren die Verbraucherzentralen jedoch, dass aus den Unterlagen der Versicherer nur in vier der ausgewerteten 144 Beschwerden klar hervorgeht, dass der Versicherte ein Wechselrecht hat und wie sich dieses gestaltet. Mehr zu Tarifwechsel innerhalb der PKV (§204 VVG) erhalten Sie hier.

Verbraucherschützer fordern Reform der PKV

vzbv-Vorstand Gerd Billen forderte Gesundheitsminister Daniel Bahr angesichts der Ergebnisse zu einer Untersuchung der Beitragssteigerungen bei den privaten Krankenversicherern. Zusätzlich müssten in der PKV grundlegende Änderungen vollzogen werden, um die Effizienz zu steigern und „Gerechtigkeitsdefizite auszugleichen“.

Vorschläge der Verbraucherschützer

Dabei sollten mehrere Eckpunkte zu einer Lösung der bestehenden Probleme innerhalb der PKV führen. Einerseits würde die Einführung eines Sachleistungsprinzips zu einer Entlastung des Verbrauchers führen, da er sich nicht mehr mit dem Versicherer über die Begleichung von Rechnungen auseinandersetzen müsste.

Zusätzlich ließen sich so Aufwendungen verringern. Der Überversorgung der Privatpatienten und damit hoher Kosten wäre am einfachsten zu begegnen, wenn die Gebühren zwischen GKV und PKV angeglichen würden. Leistungen, die dem Leistungskatalog der Krankenkassen entsprechen, sollten so auch in der Höhe der Gebühren der GKV abgerechnet werden. Der vzbv führt zudem an, dass die Prämien mit einer Einkommenskomponente gerechter aufgestellt werden würden. Auch müsste es Härtefall-Regelungen und eine Kostendeckelung geben.

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