PKV: Bald Unisex-Tarife für Privatversicherte?

Die private Krankenversicherung behandelt versicherungsmathematisch Männer und Frauen anders. Eine Tatsache, die sich vielleicht schon bald ändern könnte. Vor dem EuGH steht eine Entscheidung zur Gleichbehandlung der Geschlechter in Versicherungsfragen an. Davon betroffen sein könnte auch die PKV, in der zwischen den Geschlechtern zumindest auf der Beitragsebene eine Trennung erfolgt. Die Versicherungswirtschaft wertet den Vorstoß „Angriff auf die Grundprinzipien der Versicherungswirtschaft“.

Geschlechtertrennung in der PKV

In der privaten Krankenversicherung werden die Beiträge aufgrund der gesundheitlichen Vorgeschichte, des Alters und Geschlechts berechnet.

Letzteres könnte zumindest in Teilen bald vorbei sein. Denn seitens der Europäischen Union ist die Gleichbehandlung von Mann und Frau ein Grundprinzip. Und laut einer Rechtsgutachterin ist die Trennung zwischen den Geschlechtern in der Versicherungswirtschaft hochgradig diskriminierend.

Was steckt dahinter? In vielen Tarifen, auch in der PKV, werden zur Berechnung der Beiträge Tabellen und Statistiken zu Krankheitsrisiken, Lebenserwartung usw. herangezogen. Die Folge: Gerade in der privaten Krankenversicherung, aber auch bei der Rentenversicherung, müssen Frauen andere Beiträge zahlen als Männer. Juliane Kokott, Generalanwältin beim EuGH, will die Ausnahmeklausel, die diese Unterscheidung zwischen den Geschlechtern trotz Gleichbehandlungsgrundsatz zulässt, auf den Prüfstand stellen.

Für Unisex-Tarife Biologie entscheidend

Juliane Kokott will die Trennung zwischen den beiden Geschlechtern, zum Beispiel in der PKV, nur noch in Punkten zulassen, in denen sich Unterschiede aufgrund der Biologie tatsächlich nachweisen lassen. Ein einfaches Beispiel wäre der Einfluss der Schwangerschaft in der privaten Krankenversicherung. Rein statistische Unterschiede, die mit den Geschlechtern in Zusammenhang stehen, sollen dagegen keinen Einfluss für Leistungen und Beiträge mehr spielen. Davon betroffen wäre womöglich auch die private Krankenversicherung.

Einfluss auf die Beitragsentwicklung

Der Vorstoß des Europäischen Gerichtshof dürfte, sofern die Ausnahmeklausel für die Versicherer gekippt wird, Auswirkungen für alle Versicherten haben. Männer und Frauen dürften die neue Form der Gleichbehandlung bei den Beiträgen zu spüren bekommen, da auch in der PKV die versicherungsmathematischen Grundsätze verändert würden. In den Unisex-Tarifen würden Männer wahrscheinlich einen höheren Beitrag zahlen. Frauen könnten sich stattdessen womöglich günstiger in der privaten Krankenversicherung absichern. Peter Schwark vom GDV kritisierte den Vorstoß von Juliane Kokott und des EuGH.

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