PKV: Anhaltende Verwirrung um Kündigung der Krankenversicherung

Die Beitragsanpassungen der letzten Tage und Wochen, die pünktlich zum 01. Januar 2012 wirksam werden, haben zu erheblichem Ärger geführt. ARAG, DKV oder Central – viele Versicherer stehen im Fokus und sind teilweise heftiger Kritik ausgesetzt. Eine Entwicklung, die aus dem Blickwinkel der Versicherten dadurch verschärft wird, dass seit einigen Tagen widersprüchlich zur Form der Kündigung berichtet wird.

Rechte und Fristen bei Sonderkündigung

[Berlin] Das Privatversicherte ein ordentliches Kündigungsrecht haben, wissen viele Verbraucher.

Dass mit einer einseitigen Änderung der Vertragsbedingungen seitens des Versicherers aber ein Sonderkündigungsrecht auflebt, ist einigen Personenkreisen unbekannt. Dabei lässt sich dieses nutzen, um steigende Beiträge in der PKV zu umgehen und auf eine Beitragsanpassung zu reagieren. Allerdings müssen Betroffene umgehend handeln, da für den Wechsel des Anbieters nach einer Sonderkündigung nur vier Wochen vorgesehen sind.

Was in den vergangenen Tagen allerdings für Verwirrung gesorgt hat, waren Medienberichte, nach denen die Central Krankenversicherung aus Köln für die wirksame Kündigung der PKV als Reaktion auf die Beitragsanpassung zum 01.01.2012 nur ein original Kündigungsschreiben mit entsprechendem Nachweis über die Folgeversicherung akzeptiert. Zwar hat die Central diese Berichte dementiert, eine Kündigung ist auch per Fax möglich. Wie sieht die Rechtslage aber aus?

Kündigung bedarf der Schriftform

Wie und in welcher Form die Kündigung einer privaten Krankenvollversicherung auszusehen hat, lässt sich unter anderem den Musterbedingungen MB/KK 2009 entnehmen, welche sich zum Beispiel beim PKV-Verband (PKV Verband der privaten Krankenversicherung e.V., Gustav-Heinemann-Ufer 74 c, 50968 Köln) einsehen lassen. Hierin wird in § 16 MB/KK 2009 die Schriftform zur Bedingung gemacht (per Definition mit eigenhändiger voller Namensunterschrift).

Allerdings kann in den Vertragsbedingungen auch die Textform vereinbart werden. Schwieriger ist allerdings die Frage zu klären, ob der Nachweis über die Nachversicherung im Original zu führen ist. Der betreffende § 13 Abs. 7 MB/KK 2009 lässt diese Frage offen. Wer seine private Krankenversicherung kündigt, muss zudem wissen, dass ein einfaches Einschreiben als gerichtsverwertbarer Nachweis über die Kündigung im Ernstfall nicht ausreichend ist.

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr