PKV: Achtung bei neuer Jahresarbeitsentgeltgrenze

Arbeitnehmer, die im vergangenen Jahr 2010 ein Einkommen von mehr als 49.950 Euro brutto erzielt haben, können 2011 in die private Krankenversicherung wechseln. Laut § 6 SGB V erlischt deren Versicherungspflicht. Für das laufende Jahr 2011 gilt eine neue Jahresarbeitsentgeltgrenze von 49.500 Euro. Allerdings ist es mit dem Versicherungswechsel nicht ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Wann ist die JAEG überschritten

Die sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) wird im Allgemeinen oft mit der Versicherungspflichtgrenze gleichgesetzt, ab derer Arbeitnehmer sich nicht mehr zwingend in der GKV absichern müssen.

Diese Grenze wird jedes Jahr neu festgelegt. In der Vergangenheit ist die JAEG vor allem eins – gestiegen. 2003 lag die Versicherungspflichtgrenze noch bei 45.900 Euro. Allerdings ist sie von 2010 auf 2011 leicht gesunken.

Und auch wenn 450 Euro auf den ersten Blick minimal zu seien scheinen – für den Versicherten hat dieser geringe Differenzbetrag durchschlagende Wirkung. Was gehört alles zu JAEG? Grundsätzlich werden dem Jahresarbeitsentgelt das normale Arbeitsentgelt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie VWL und Zulagen zugeschlagen. Nicht dazugehören allerdings Überstundenvergütungen sowie Fahrtkosten o. Ä.

Achtung bei freiwillig Versicherten

Wer die Versicherungspflichtgrenze in der Vergangenheit überschritten hat, konnte sich in der privaten Krankenversicherung targ absichern. Oder als freiwilliges Mitglied in der GKV bleiben. Über sogenannte Wahltarife ließ sich hier der Versicherungsschutz ausweiten. Allerdings scheinen jetzt genau diese Wahltarife zur Leine zu werden, mit der einige Krankenkassen ihre Mitglieder an sich binden wollen. Denn diese sollen zuerst die teilweise langen Bindungsfristen erfüllen.

Wer seit Jahresanfang versicherungsfrei ist bzw. es 2011 wird, sollte den Streit genau verfolgen. Mittlerweile widersprechen sich die Standpunkte der Kassen sowie des Bundesversicherungsamtes. Eine Lösung scheint vorerst nur in Sicht, wenn das Problem juristisch geklärt wird. Diese Hürde ist allerdings nicht der einzige Fallstrick. In den vergangenen Wochen sorgten immer wieder Billig- bzw. Discount-Tarife in der privaten Krankenversicherung für Schlagzeilen. Wer in einen langfristig guten PKV-Tarif eintreten will, muss 2011 einige Hindernisse überwinden.

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr