PKV: 4,5 Millionen Neukunden – kommt der Run auf die Privaten?

Die gesetzliche Krankenversicherung ist an einem quasi historischen Punkt angekommen – zum 1. Juli wird die City BKK geschlossen. Und auch an anderer Stelle lodert es in der GKV. Für viele freiwillig gesetzlich Versicherte ein Alarmsignal? Theoretisch können in die Private Krankenversicherung PKV rund 4,5 Millionen Versicherte wechseln. Und mit dem Aus für die City BKK kommen potenzielle Neukunden für die Private hinzu. Warten auf die PKV also goldene Zeiten?

Deutschland – PKV vs. GKV

Das deutsche Gesundheitswesen hält nach wie vor an seiner Zweiteilung fest.
Auf der einen Seite steht die private Krankenversicherung. Auf der anderen Seite die GKV mit dem Gros der Bevölkerung. Aktuell verfügt die gesetzliche Krankenversicherung über rund 72 Millionen Versicherte. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung ergibt sich damit eine Quote von rund 90 Prozent. Demgegenüber stehen die Privatversicherten. Hier sind es gerade einmal zehn Prozent – also knappe neun Millionen Versicherte. Allerdings wäre es durchaus möglich, diese Zahlen binnen kurzer Zeit zu verschieben. Denn in den Reihen der GKV gibt es viele Versicherte, die eigentlich in die PKV wechseln könnten. Schätzungen gehen von rund 4,5 Millionen aus, die in der gesetzlichen Krankenversicherung abgesichert sind, obwohl sie zumindest auf dem Papier die Bedingungen für einen Übertritt in die private Krankenversicherung erfüllen. Eine Tatsache, die auf den ersten Blick verwundert – gilt die PKV doch als bessere Krankenversicherung.

PKV: Nicht von jedem Versicherten geliebt

Wo liegt also die Ursache für den Verbleib der freiwillig Versicherten in der GKV? Eine Frage, die mit Sicherheit auch die PKV umtreibt. Dass einige Versicherte nicht aus den Reihen der gesetzlichen Krankenversicherung austreten wollen, ist teilweise hausgemacht. Die PKV setzt insbesondere auf junge und gesunde Versicherte. Wer bereits eine gewisse Altersgrenze erreicht hat oder unter Vorerkrankungen leidet, hat in der PKV schlechte Karten.
Aber noch eine Tatsache kommt erschwerend hinzu. Viele potenzielle Neukunden sind verunsichert. Trotz des leichteren Zugangs ist die Verwirrung groß. Steigende Beiträge, mangelnde Leistungsbereitschaft einiger Ärzte gegenüber Versicherten im Basistarif und die Frage der Familienversicherung – für viele freiwillig Versicherte drei Gründe, um in der GKV zu bleiben.    

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