PKV 2012: Fakten und Infos zur Beitragsanpassung

Für die private Krankenversicherung ist eine turbulente Woche zu Ende gegangen. Zum Wochenbeginn gerieten vor allem die privaten Krankenversicherer ARAG und Central in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Was war passiert? Stein des Anstoßes waren die Beitragsanpassungen beider Versicherer, die zum 01.01.2012 überdurchschnittlich hoch ausfallen. So klettern die Prämien der Central Krankenversicherung laut Meldungen vom Wochenbeginn im Schnitt um 12,9 Prozent.

Beitragsanpassung Zündstoff für Kritiker

Die Central Krankenversicherung und ARAG mit der Konzernzentrale in Düsseldorf haben in der ersten Wochenmitte die Kritik bezüglich der hohen Beitragsanpassungen fast allein wegstecken müssen.

Allerdings haben im Wochenverlauf Experten bei Analysen herausgefunden, dass auch in anderen privaten Krankenversicherungen die Prämien teilweise deutlich gestiegen sind.

So verwies das Analysehaus Franke & Bornberg (Franke und Bornberg Research GmbH, Prinzenstraße 16, 30159 Hannover) am Dienstag, den 30.11.2011, auf einen eigenen Kurztest, der ein teils dramatisches Bild in den getesteten Versicherungen nachzeichnete. In elf getesteten Tarifen reichte die Höhe der Beitragsanpassung im besten Fall von 11 Prozent für einen 32-Jährigen bis hin zu 23 Prozent, bei den Frauen erstreckte sich die Palette von 15 Prozent – 20 Prozent.

Experten suchen nach Ursachen für Beitragsanpassung

Die erheblichen Beitragsanpassungen in der PKV sind in ihrer Höhe zwar auch aus Sicht vieler Experten überraschend. Wirklich verwunderlich ist die Entwicklung allerdings nicht. Denn was bei der Suche nach einer Ursache für die hohe Beitragsanpassung auffällt, ist der Zusammenhang zwischen den sogenannten Billigtarifen. So fallen bei der Central, welche den Stein Ende der letzten Woche ins Rollen gebracht hat, vor allem im Ecoline-Modell die Anpassungen am höchsten aus.

Bereits Ende September haben erste Informationen von Versicherungsmaklern auf diese Tatsache hingewiesen und für die Ecoline-Tarife (u. a. EKE, KEH, BSS) der Central Krankenversicherung von Anpassungsspannen zwischen 20 Prozent und 40 Prozent gesprochen. Due Ursache für diese deutlichen Anhebungen sind schnell gefunden. Die Versicherer haben in diesem Tarifsegment auf den schnellen Wechsel der Versicherten vom Billig- in den Mittelklasse- oder Komforttarif spekuliert.

Eine Erwartung, die sich allerdings nicht erfüllt hat. Im Gegenteil: Viele der Versicherten sind in den gewählten Tarifen verblieben. Zusätzlich haben säumige Beitragszahler die privaten Krankenversicherer unter Druck gesetzt. Die Folgen haben sich in den vergangenen Tagen deutlich abgezeichnet.

Folgen der Beitragsanpassung für Versicherte

Wer von einer hohen Beitragsanpassung betroffen ist, sucht nach Lösungen. Allerdings sind diese begrenzt. Wie seit Anfang der Woche immer wieder erwähnt, lebt mit der Beitragsanpassung ein Sonderkündigungsrecht auf. Wer seine Benachrichtigung am 30.11.2011 erhält, kann dann mit einer Frist von vier Wochen, also bis zum Jahreswechsel zu einem neuen Versicherer. Hier gehts zum Vergleich.

Allerdings ist dieser Schritt nur praktikabel, wenn nicht zu hohe Altersrückstellungen verloren gehen. Gerade Bestandskunden haben aber ein berechtigtes Interesse an deren Sicherheit. Hier bleibt nur ein Tarifwechsel innerhalb des Versicherers. Die Grundlage hierfür schafft § 204 VVG, der bei leistungsgleichen Tarifen die Mitnahme aller Rechte – also auch der Altersrückstellungen – erlaubt.

Versicherung Tarif SB Männer Frauen
AXA Vision Start 400 20% 15%
Central V323S2 650 23% 20%
Deutscher Ring Classic+ keiner 12%
DKV K2B 520 19%

Auszug der von Franke & Bornberg untersuchten Gesellschaften (Musterkunde je 32 Jahre alt).

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr