Pflege-Riester: Policen könnten teurer werden

Eigentlich will Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eine Pflege-Förderung schaffen, die mehr Deutsche zum Abschluss einer privaten Pflegeversicherung bewegen soll. Das Kabinett hat seine Pläne bereits bewilligt. Doch die privaten Krankenversicherer warnen nun davor, dass sich die Policen durch das Vorhaben deutlich verteuern könnten.

PKV begrüßt Förderung

Grundsätzlich begrüßen die Vertreter der privaten Krankenversicherung (PKV) die geplante Einführung des neuen Pflege-Riester. Sie sei ein wichtiges Signal für die Menschen, dass sie selbst etwas für die Pflegevorsorge tun müssen, sagte Dr. Volker Leienbach, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des PKV-Verbandes. Allerdings sind die privaten Krankenversicherer noch etwas in Sorge, was die Folgen der geförderten privaten Pflegeversicherung anbelangt. Denn, so erklärte Leienbach gestern gegenüber der Ärzte Zeitung, die geförderten Policen könnten gegenüber den nicht geförderten Pflegeversicherungen durchaus teurer werden.

Andere Kalkulation der Prämien

Der Grund: Der Staat will den Versicherern untersagen, alte und kranke Antragsteller abzulehnen. Anders als bisher in der PKV üblich darf keinem Bewerber wegen seines Alters oder wegen gesundheitlicher Risiken eine geförderte private Pflegeversicherung verwehrt werden. Von den Versicherungsnehmern darf weder eine Gesundheitsprüfung verlangt werden, noch ist es den privaten Gesellschaften erlaubt, Risikozuschläge zu erheben oder bestimmte Leistungen auszuschließen. Das hätte natürlich Auswirkungen auf die Kalkulation der Versicherungsbeiträge, erklärte PKV-Verbandsdirektor Leienbach.

Versicherte müssen mehr bezahlen

Im Bundeshaushalt für 2013 ist bereits ein Budget in Höhe von 100 Millionen Euro für den neuen Pflege-Riester eingeplant. Bei zertifizierten Pflegeversicherungsverträgen will der Staat die private Vorsorge für den Pflegefall mit einem Zuschuss von fünf Euro monatlich belohnen. Wenn die privaten Krankenversicherer nun ankündigen, dass die Versicherten für die geförderten Policen im Schnitt mehr bezahlen müssten, da die Kosten der PKV-Anbieter steigen werden, macht diese Förderung eigentlich kaum noch Sinn. Laut Leienbach haben die neuen Pflegepolicen im Markt allerdings nur dann eine Chance, wenn die fünf Euro vom Staat die Mehrbelastung durch die neue Kalkulation mindestens kompensieren.

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