Onlinequittung der AOK im Test

Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) testete die Möglichkeit, dass Patienten mithilfe eines Codes, den sie beantragen können, online ihre Abrechnung einsehen. In den Abrechnungen werden die einzelnen Kostenfaktoren aufgelistet, welche vom Arzt abgerechnet werden. Es gibt jedoch Verbesserungsbedarf, denn die Abrechnungen sind für den Otto-Normal-Verbraucher nur schwer nachvollziehbar.

Patientenquittung noch nicht ausgereift

Seit einiger Zeit – genau genommen seit sieben Jahren – besteht die Möglichkeit, in der Praxis des jeweiligen Arztes eine Quittung zu erhalten, in der die einzelnen Kostenfaktoren aufgeschlüsselt sind.

Somit kann der Patient einen Einblick in die bei der Behandlung entstandenen Kosten bekommen. Diese Möglichkeit wurde mit dem GKV-Modernisierungsgesetz eingeführt, von den Versicherten bisher aber kaum wahrgenommen. Die AOK geht daher einen anderen Weg über die Onlinequittung. Es sollte damit der „Widerspruch zwischen Sachleistungsprinzip und Transparenz“ aufgelöst werden, so der Vorstandsvorsitzende der AOK NordWest, Martin Litsch.

Für einen Versicherten sind die Abrechnungen von Arzneimittel – ambulant und stationär – aber nur schwer nachzuvollziehen. So sind beispielsweise bei ambulanten Behandlungen nicht alle Einflussgrößen berücksichtigt. Für den Verbraucher wird der Orientierungspunktwert als Grundlage genommen, allerdings sind bestimmte Einflussgrößen auf das Honorar der Ärzte, wie zum Beispiel eine Mengenstaffelung, nicht ersichtlich. Auch Arzneimittelpreise sind nicht eindeutig erkennbar, denn es wird lediglich der Listenpreis aufgeführt, Rabatte mit den Pharmakonzernen finden keine Erwähnung.

System läuft 2012 bundesweit an

Auch wenn es ein erster Fortschritt hin zu mehr Transparenz in der Gesundheitsbranche ist, sind aufgrund von möglichen langen Wartezeiten bis zur Zustellung der Daten noch Verbesserungen vorzunehmen, so der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller. Monate zurückliegende Untersuchungen sind laut Zöller kaum noch interessant für die Patienten.

Auch die Ärzte sind in der Modellregion der AOK NordWest gespaltener Meinung. Einige Ärzte begrüßen das Projekt, da es helfen kann mit den Patienten zusammen die besten Lösungswege zu finden und maximale Erfolge für beide Seiten zu erreichen. Andere Ärzte sehen in dem Projekt nur ein weiteres Kontrollinstrument, was die Freiheiten der Ärzte einschränke. Da sich bisher aber bereits rund 6.000 Versicherte bei dem Projekt eingetragen haben, ist es für die AOK ein Erfolg und soll im nächsten Jahr von der Pilotregion auf die gesamte Republik ausgedehnt werden.

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