Öffnungsklausel: Ärztekammer widerspricht PKV-Untersuchung

Der Streit um die Gebührenordnung der Ärzte geht in eine neue Runde. Nachdem zu Wochenbeginn durch die private Krankenversicherung eine Öffnungsklausel ins Spiel gebracht wurde, widerspricht die Bundesärztekammer dem Ergebnis einer Umfrage. Deren Ergebnis fiel im Sinne des PKV-Verbandes aus. Mehr als die Hälfte der befragten Ärzte sprach sich für eine Öffnungsklausel aus, die Absprachen außerhalb der GOÄ mit der PKV ermöglicht.

Tauziehen zwischen PKV und Ärzten

In der Frage um die neue Gebührenordnung geht es für beide Seiten um viel Geld.

Auf der einen Seite will die Ärztekammer endlich eine Anpassung der GOÄ an die Zeichen der Zeit. Gleichzeitig sehen die Versicherer darin eine neue Kostenwelle auf sie zurollen. Als Folge müsste nicht nur der Privatpatient beim Arzt mehr bezahlen, sondern auch höhere Beiträge in Kauf nehmen. Und damit lässt sich bekanntlich schlecht werben. Um den eigenen Standpunkt zu untermauern, hat der PKV-Verband kurz vor den Verhandlungen zur Gebührenordnung für Zahnärzte eine Umfrage, durchgeführt von Emnid, ins Rennen geschickt.

Umfrageteilnehmer für Öffnungsklausel

Befragt wurden für die Studie 200 Mediziner in den Monaten Januar und Februar. Mit 57 Prozent sprach sich die Mehrheit für eine Öffnungsklausel aus. Gleichzeitig fiel die Zustimmung derer, die Qualitätsverträge mit der PKV außerhalb der GOÄ abschließen würden, mit 70 Prozent noch höher aus. Die BÄK kritisierte die Umfrage. Theodor Windhorst bezeichnete es als „grotesk“, bei 200 Ärzten von der absoluten Mehrheit zu sprechen.

Gleichzeitig stößt der Ärztekammer sauer auf, dass die Fragen in ihren Augen verklausuliert gestellt worden. Theodor Windhorst sandte gleichzeitig eine Warnung an seine Kollegen. Die BÄK fürchtet, freie Preisverhandlungen zwischen den Ärzten und der privaten Krankenversicherung würden zu einem ruinösen Wettbewerb führen.

Steigende Beiträge in der PKV vorprogrammiert

In der aktuellen Debatte um die Gebührenordnung spielen viele Interessen eine Rolle. Fakt ist allerdings, dass die Anpassungen dringend notwendig sind. Schließlich sind GOÄ und GOZ bereits in die Jahre gekommen. Der medizinische Alltag in den Praxen hat sich weiterentwickelt, die Abrechnungsverordnung nicht. Privat Versicherte werden sich also auch in Zukunft auf steigende Beiträge in der PKV einstellen müssen. Denn steigen die Honorare für den Arztbesuch, werden die Versicherer dem Patienten in die Tasche greifen.

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr