„Obama-care“ Krankenversicherung: Gesundheitsreform 2012 vor dem Aus?

28.03.2012: Das Krankenversicherungssystem der USA ist weitaus komplizierter als das duale deutsche System. Dass es auch noch viel stärker ein Politikum ist, zeigt der Vorstoss der Republikaner, die die durch die Obama-Regierung vorgebrachte Gesundheitsreform (Obama-care) vor dem Obersten Gerichtshof stoppen wollen.

Das amerikanische Gesundheitssystem 2012

Die Geschichte der Krankenversicherung in den USA hat sich anders gestaltet als in Deutschland. So gab es beispielsweise in den Gründungsjahren der ersten Krankenversicherungen vor allem von Seiten der Ärzte Proteste, da befürchtet wurde, die Versicherungen könnten sich in die Arzt-Patient-Beziehung einmischen.

Seitdem gab es immer wieder Diskussionen und erhebliche Auseinandersetzungen bezüglich privater oder gar staatlicher Krankenversicherungen. Denn anders als in Europa gilt vielen US-Amerikanern eine Krankenversicherungspflicht beziehungsweise ein solidarisch gestaltetes Krankenversicherungssystem als „sozialistisch“ und somit nicht erstrebenswert.

Keine Krankenversicherungspflicht bei Obama

Auch Barack Obama und seine Regierung haben die Krankenversicherungspflicht abgelehnt. Allerdings haben sie beschlossen Ergänzungen zu den bisherigen Krankenversicherungsmöglichkeiten zu schaffen. So sind viele Amerikaner über freiwillige Leistungen ihres Arbeitgebers versichert. Oftmals geht hierbei ein Jobverlust oder –wechsel mit dem Verlust des Krankenversicherungsschutzes einher.

Besonderheiten der Krankenversicherung in USA

Maximal 18 Monate können sich die Arbeitnehmer, die beispielsweise ihren Job verloren haben so weiterversichern – und das auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Daneben gibt es die Möglichkeit sich direkt zu versichern, wobei dies oft mit hohen Prämien einhergeht.

Für Menschen über 65 Jahren, behinderte und einkommensschwache Menschen gibt es die beiden Programme Medicare und Medicaid, die bereits 1965 eingeführt wurden. Die Pläne der Regierung Obama sahen nun eine durchgängige Versicherung für Kinder vor, sowie zahlreiche Ergänzungen der staatlichen Hilfsprogramme um auch Erwachsenen eine bessere medizinische Versorgung zu ermöglichen. So sollen Vorerkrankungen keinen Einfluss mehr auf der Versicherbarkeit von Menschen bzw. die Höhe der Versicherungsbeiträge haben dürfen.

Kleinere Betriebe sollen in Form von Steuererleichterungen in die Lage gebracht werden, ihren Mitarbeitern Krankenversicherungsschutz zu ermöglichen. Des Weiteren sollten große Unternehmen, die ihren Angestellten keinen oder nur unzureichenden Krankenversicherungsschutz bieten durch eine Steuer an der Finanzierung des öffentlichen Gesundheitssystems beteiligt werden.

Entscheidung über Obama-care vor dem obersten Gericht

Doch selbst diese für europäische Verhältnisse moderaten Änderungen wurden und werden in den USA heiß diskutiert. Sollte „Obama-care“, wie die Gesundheitsreform zuweilen auch genannt wird, vor dem Obersten Gerichtshof scheitern und gestoppt werden, wird sogar an Obamas Wiederwahl gezweifelt. Mit dem deutschen Gesundheitssystem lässt sich das amerikanische System jedenfalls nur schwer vergleichen – weshalb die Auseinandersetzungen auch nicht immer leicht nachzuvollziehen sind.

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