Montgomery: Wettbewerb zwischen PKV und GKV ist vernünftig

Der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, hält einen Wettbewerb zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung für vernünftig. In einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt spricht er über die Zukunft des Krankenversicherungswesens in Deutschland.

Bestehendes Versicherungssystem festigen

Der Präsident der Bundesärztekammer erhofft sich vom 115. Deutschen Ärztetag (22. bis 25. Mai 2012 in Nürnberg) eine politisch spannende Debatte über die Zukunft der gesetzlichen (GKV) und privaten (PKV) Krankenversicherung in Deutschland. Gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt sprach sich Montgomery für eine Festigung des bestehenden Systems von PKV und GKV aus: „Am Ende wird sich der Ärztetag, davon bin ich überzeugt, klar und konsequent zu einem dualen Krankenversicherungssystem bekennen, wie wir es heute haben.“

Eingeschränkte Leistungen mit einer Bürgerversicherung

Den Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und den privaten Versicherungsgesellschaften, wie er aktuell besteht, hält Montgomery für vernünftig. Weil die PKV schneller neue Leistungen übernehme, zwinge sie die gesetzliche Krankenversicherung zu Innovationen, die letztlich immer den Versicherten zugutekommen, so der Präsident der Bundesärztekammer im Interview. Würde dieses Benchmark durch eine Abschaffung der PKV und die Einführung einer Bürgerversicherung wegfallen, könnte das zu einer erheblichen Einschränkung im deutschen Gesundheitswesen führen, vermutet Montgomery. „Die Bürgerversicherung wäre der Turbolader für die Zweiklassenmedizin. Alle Länder mit Einheitsversicherung haben eine verschärfte Zweiklassenmedizin.“

Ökonomisches Interesse der Ärzteschaft

Im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt räumte Montgomery ein, dass die Ärzteschaft nicht allein wegen der Qualität der Gesundheitsversorgung für die weitere Existenz der privaten Krankenversicherung in Deutschland plädiere. „Ärzte haben neben dem Interesse an guter Versorgungsqualität auch ein ökonomisches. Daran ist nichts Unanständiges“, sagte er. Beispielhaft führte er an, dass die PKV für Privatbehandlungen im ambulanten Bereich nach der Gebührenordnung für Ärzte 5,8 Milliarden Euro zahlen würde. Gegenüber den rund 30 Milliarden Euro der GKV ist das eine nicht zu verachtende Einnahmequelle für die Mediziner. Auch bei den Einnahmen der Krankenhäuser gibt es ähnliche Zahlen, so Montgomery.

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