Mit Information zu mehr Organspenden – Umsetzung der Entscheidungslösung

Nach dem Organspendeskandal sind viele Bürger verunsichert, was das Thema Organspendeausweis anbelangt und nicht wenige sind skeptisch, ob im Fall des Falles ihre Organe auch nach den richtigen Kriterien vergeben würden. Mit der Einführung der sogenannten Entscheidungslösung sollen die Bürger durch regelmäßige Informationen zum Ausfüllen eines Spendeausweises animiert werden.


Bessere Operationstechniken – Zu wenig Organe

Spenderorgane sind seit jeher Mangelware. In Deutschland muss ein Patient im Durchschnitt 6 bis 8 Jahre auf ein Spenderorgan warten, oftmals sterben die Patienten, bevor sie ein geeignetes Organ erhalten. Zwar konnte die Erfolgsrate von Transplantationen in den letzten Jahrzehnten durch moderne Operationstechniken und Medikamente zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen kontinuierlich verbessert werden. Allerdings können nur dann mehr Patienten gerettet werden, wenn auch genügend Spenderorgane zur Verfügung stehen.

Die erweiterte Zustimmungslösung

Bisher galt daher in Deutschland die sogenannte erweiterte Zustimmungslösung. Nach dieser kann jeder Bürger ab 16 Jahren in Form eines ausgefüllten Organspendeausweises bzw. einer formlosen Erklärung seinen Willen zur Organspende kundtun. Jugendliche können bereits ab einem Alter von 14 Jahren einer möglichen Organspende widersprechen. Generell ist es auch für Spendewillige möglich, das Spenden von bestimmten Organen auch ohne die Nennung von Gründen auszuschließen. So soll beispielsweise Menschen, die aus religiösen oder persönlichen Gründen das Spenden bestimmter Organe ablehnen, ermöglicht werden, andere Organe zu spenden und dabei sicher zu sein, dass ihren Wünschen entsprochen wird.

Probleme mit der Regelung

Doch nicht immer liegt eine schriftliche Erklärung des Verstorbenen vor. In diesem Fall ist es möglich, dass die nächsten Angehörigen einer Organentnahme zustimmen. In der Reihenfolge sind das Ehegatte bzw. Lebenspartner, volljährige Kinder, Eltern bzw. Sorgerechtsinhaber bei minderjährigen Betroffenen, volljährige Geschwister oder Großeltern. Obwohl dies generell die Entnahme von mehr Spenderorganen ermöglicht, ist es einerseits für Angehörige insbesondere bei einem plötzlichen Tod oft sehr schwer sich zu einer möglichen Organentnahme zu äußern. Andererseits zögern nicht selten Ärzte aus eben diesem Grund Angehörige zu einer Organspende zu befragen. Auch ist es nicht immer möglich, rechtzeitig einen Angehörigen ausfindig zu machen. Deshalb ist eine schriftliche Einwilligung des Verstorbenen immer die sicherste Variante.

Neuerung des Transplantationsgesetzes

Die neue Entscheidungslösung verändert dabei die bestehende Zustimmungslösung nicht, sondern erweitert nur die Bürgerinformation. Ab sofort werden sowohl gesetzlich als auch privat Krankenversicherte ab 16 Jahre alle zwei Jahre von ihrer Krankenversicherung zum Spendewillen befragt und darüber hinaus mit allen relevanten Informationen zum Thema Organspende versorgt. Auch andere Behörden sollen zum Beispiel bei der Ausstellung eines neuen Ausweises auf die Möglichkeit zur Organspende hinweisen. Die Politik erhofft sich dadurch, dass jene Bürger, die zwar generell für Organspenden sind, sich bisher aber nicht um einen Organspendeausweis gekümmert haben, nun einen Ausweis ausfüllen. Auch Bürgern, die sich bisher nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben, sollen durch die neue Regelung genug Informationen an die Hand gegeben werden, um eine qualifizierte Entscheidung zu treffen.

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