Milliardenschulden: PKV und GKV beklagen Nichtzahler

Die gesetzlichen und privaten Krankenversicherer klagen über eine zunehmende Anzahl von säumigen Beitragszahlern. Die privaten Versicherer sprechen von Beitragsrückständen in Höhe von 550 Millionen Euro, bei den Krankenkassen liegen die Ausstände sogar bei 1,5 Milliarden Euro.

Immer mehr Krankenversicherte schulden ihrer Versicherung Beiträge. Wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen mitteilt, registrieren die gesetzlichen Krankenkassen in jüngster Zeit einen Zahlungsrückstand von 1,53 Milliarden Euro.

Und auch die privaten Versicherungen leiden unter zunehmend mehr säumigen Beitragszahlern. Rund 144.000 nichtzahlende Privatpatienten verursachten den privaten Krankenversicherern bisher einen Schaden von fast 550 Millionen Euro. Weil in Deutschland seit einigen Jahren eine Versicherungspflicht besteht, dürfen die Krankenversicherer säumigen Kunden nicht ohne weiteres kündigen.

Säumige Beitragszahler gelten als arm

Viele der Nichtzahler in GKV und PKV gelten als arm und finanziell überfordert. „Die Einführung der Versicherungspflicht bedeutete nicht, dass die Mitglieder ihre Beiträge auch zahlen können“, sagte GKV-Verbandssprecherin Ann Marini. Unter den säumigen Mitgliedern seien auch freiwillig versicherte Selbstständige.

Wer seinen GKV-Beitrag nicht zahlt, erhält zunächst mehrere Anschreiben von seiner Krankenkasse. Werden die fälligen Beiträge nach mehrfacher Aufforderung weiterhin nicht entrichtet, versuchen die gesetzlichen Kassen mithilfe der Hauptzollämter und anderer öffentlich-rechtlicher Einrichtungen das Geld einzutreiben. „Wenn die Betroffenen allerdings wenig Mittel haben, gebe es auch nichts zu holen“, kommentiert der GKV-Spitzenverband.

Nichtzahler-Tarif in der PKV

In der PKV werden Versicherte mit Beitragsrückständen in der Regel in den Basistarif verwiesen, der oftmals jedoch bis zu 590 Euro im Monat kostet und für die Versicherten demzufolge zu einem weiteren Anstieg der Schulden führt. Vertreter der privaten Krankenversicherung hatten deshalb bereits im März dieses Jahres die Einführung eines so genannten Nichtzahler-Tarifs in der PKV gefordert. Die Bundesregierung prüft derzeit, ob es diesen Tarif künftig in der PKV geben wird. Die PKV-Vertreter hatten vorgeschlagen, den säumigen Kunden eine Notfallversorgung für 100 Euro monatlich zu bieten.

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