Medizinische Inflation belastet Gesundheitswesen auch 2012

Das Jahr 2012 steht quasi in den Startlöchern. Für viele Privatpatienten, die pünktlich zum 01. Januar 2012 tiefer in die Taschen greifen dürfen, hat der Jahreswechsel einen unangenehmen Beigeschmack. Aber auch wer im kommenden Jahr vorerst von einer Beitragsanpassung in der PKV verschont geblieben ist, hat nur Grund zu verhaltener Freude. Denn die Prognosen sehen düster aus. Auch wenn eine Prämienerhöhung durch die Einführung der Unisex-Tarife spätestens zum 21. Dezember 2012 offiziell vom Tisch ist, dürfte die medizinische Inflation den Druck auf alle Krankenversicherte erhöhen.

Kostendruck in GKV und PKV

[Berlin] Dabei sind es nicht ausschließlich die Privatversicherten, denen der Kostendruck zu schaffen macht, auch die Kassenpatienten bekommen diese Entwicklung zu spüren.

Der Begriff medizinische Inflation beschreibt unter anderem Kostensteigerungen durch neue Behandlungsmethodiken, Medikamente und Gehälter im Gesundheitswesen. Betrachtet man hier die Entwicklung vergangener Jahre eingehender, fällt auf, dass sowohl private Krankenversicherung wie auch die GKV unter diesem Effekt leiden.

Einen zusätzlichen Kostenfaktor, der im kommenden Jahr sicher zu höheren Ausgaben – vor allem in der PKV – führen wird, ist die Novellierung der GOZ (Gebührenordnung für Zahnärzte). Nach langem Tauziehen ist ein Regelwerk entstanden, welches zumindest offiziell nur eine Honorarsteigerung der Zahnärzte von sechs Prozent erlaubt. Allerdings sehen Experten diese offizielle Haltung kritisch – speziell die Annahmen in Bezug auf die Verwendung höherer Gebührensätze.

Unisex-Tarife bleiben Thema

Die neue GOZ werden nicht nur Privatpatienten zu spüren bekommen, sondern auch Versicherte in der GKV, die private Leistungen in Empfang nehmen. Darüber hinaus bleibt für die PKV aber das Thema Unisex brisant. Zwar hat die EU in den vergangenen Tagen Entwarnung gegeben, was die Auswirkungen für Bestandskunden betrifft. Vom Tisch sind Beitragsanpassungen oder Änderungen in den Verträgen aber noch nicht.

Der Grund: Speziell für Frauen wäre ein Wechsel in neue Tarife günstiger, was zu erheblichen Verschiebungen in der Versichertenstruktur führt. Daher werden die Versicherer nach Möglichkeiten suchen, um diese Situation zu verhindern. Das Jahr 2012 bleibt also auch in der Krankenversicherung spannend.

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