Bahr fordert: Krankenkassen müssen bei Krebsvorsorge aktiver werden

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr plant, dass Krankenkassen künftig bei der Krebsfrüherkennung und –therapie mehr in die Pflicht genommen werden sollen. Neben gezielten Einladungen zu Krebsvorsorgeuntersuchungen vonseiten der Krankenkassen sieht der Referentenentwurf Bahrs einheitliche Krebsregister der Länder vor.

Vorsorgeeinladung unabhängig vom Alter

Die Zahl der Krebserkrankungen in Deutschland steigt trotz medizinischer Weiterentwicklung jährlich an. Mit dem Entwurf für ein „Krebsplan-Umsetzungsgesetz“, welches zu einer verbesserten Krebsprävention führen soll, folgt Daniel Bahr der Empfehlung medizinischer Fachorganisationen. Laut Informationen der F.A.Z. sieht der Plan vor, dass die Krebsfrüherkennung verbessert werden soll, indem die Krankenkassen Versicherte früher und öfter zur Gebärmutterhalskrebs- und Darmkrebsvorsorge einladen. Das Kriterium sei dabei nicht wie bisher das Alter der Versicherten, sondern die gesundheitliche Verfassung. Welche Faktoren genau zu einer früheren Einladung führen, soll innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes der Gemeinsame Bundesausschuss der Krankenkassen und Ärzte entscheiden. Bis 2015 könnte der Gesetzesentwurf umgesetzt werden.

Einheitliche Krebsregister für höhere Therapiequalität

Der Bundesgesundheitsminister will zudem die Länder zu einheitlichen Krebsregister verpflichten. Diese sollen von der ersten Diagnose an alle Daten der ambulanten und stationären Behandlung sammeln, um so die Qualität der Krebstherapie besser überwachen zu können. Darüber hinaus könnten Forscher die Daten hinsichtlich der Verbesserung von Präventionsmaßnahmen nutzen.

Mehrkosten bis zu 120 Millionen Euro erwartet

Die Neuregelung soll für die gesetzliche Krankenversicherung Pflicht sein, der privaten Krankenversicherung stehe es frei, ob sie sich dem Programm anschließen. Die Kosten, mit denen die Krankenkassen rechnen müssten, werden auf 80 bis 120 Millionen Euro geschätzt. Denn einerseits sieht der Referentenentwurf vor, dass die Kassen die Krebsregister mit 94 Euro pro Fall finanziell unterstützen sollen, anderseits kommen die Ausgaben für die Einladungen und Informationen an die Versicherten hinzu. Welche Summe dabei für vermiedene Behandlungskosten gespart wird, bleibt offen. Der Entwurf wird zurzeit im Kabinett und in Zusammenarbeit mit Verbänden und Ländern abgestimmt. Angesichts der mehr als 218.000 Menschen, die jährlich an Krebs sterben, ist der Vorschlag als Schritt in die richtige Richtung zu werten.

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr