Krankenversicherungssystem steht vor erheblichen Problemen

Das Gesundheitssystem in Deutschland verliert seit geraumer Zeit an Qualität. So rutschte es im europäischen Vergleich vom sechsten auf den 14. Rang ab. Auch in Zukunft wird die Krankenversicherung in Deutschland große Herausforderungen bewältigen müssen. Eine aktuelle Studie deckt dabei Probleme sowohl bei der gesetzlichen als auch der privaten Krankenversicherung auf.

Gesetzliche Krankenversicherung verwaltet Patienten nur

An der Studie des unabhängigen Beratungsunternehmens PremiumCircle aus Frankfurt am Main haben mehr als 60 Versicherungsexperten, Kassenmanager, Ärzte und Patientenvertreter mitgewirkt. Sie haben sich mit der Qualität, den Abläufe und den Finanzströmen im Gesundheitswesen auseinandergesetzt. Wie Spiegel Online zur am morgigen Donnerstag erscheinenden Studie berichtet, stieß man dabei auf „Intransparenz“, „verworrene Finanzströme“ und „Unübersichtlichkeit“. Die Versorgung würde von zu vielen Institutionen gesteuert, so dass es oftmals gleich mehrere sich widersprechende Gesetzesgrundlagen gebe, die regeln, ob gesetzliche Kranken-, Pflege- oder Unfallversicherung für die Kostenerstattung einer Behandlung zuständig sind.

Leistungen bei privater Krankenversicherung nicht einheitlich geregelt

Die Kritiker bemängeln zudem die starken Leistungsdifferenzen bei den Tarifen der privaten Krankenversicherung. Die Werbung der Versicherungsunternehmen würde bei einzelnen Policen mehr Leistungen suggerieren als tatsächlich erstattet werden. Für die Verbraucher bedeutet dies: Wenn sie sich für eine private Krankenversicherung entscheiden wollen, können sie mitunter nicht ohne weiteres erkennen, welcher Tarif ihnen den passenden Versicherungsschutz bietet.

Egal ob gesetzliche oder private Krankenversicherung – Es muss sich etwas ändern

In Zukunft wird der demografische Wandel sowohl die private als auch die gesetzliche Krankenversicherung vor große Herausforderungen stellen. Denn wenn immer wenige Beitragszahler für immer mehr Leistungsempfänger aufkommen müssen, steigen die Beiträge ins Unermessliche – oder aber die Leistungen müssen gekürzt werden. Diesen Trend spüren Kassenpatienten beispielsweise im Bereich Zahnmedizin schon seit Jahren. Privatpatienten müssen hingegen bei Altverträgen nicht mit Leistungskürzungen rechnen. Für sie können sich allerdings erhebliche Beitragssteigerungen ergeben, wenn ihre Versicherung keine Lösung für die höheren Gesundheitskosten findet. Die Politik muss also bald reagieren. Ansonsten wird das deutsche Gesundheitssystem im europäischen und internationalen Vergleich wohl noch mehr einbüßen.

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