Krankenversicherung: Zusatzbeitrag bald bei 50 Euro?

Wohin wird sich das deutsche Gesundheitswesen entwickeln? Eine Frage, die sich vor dem Hintergrund aktueller Schlagzeilen nicht nur Experten stellen. Auch die Versicherten, speziell in der gesetzlichen Krankenversicherung, blicken verunsichert in die Zukunft. Ein wiederkehrendes Thema ist die Entwicklung des Zusatzbeitrags. Am Wochenende prognostizierte der sozialdemokratische Gesundheitsexperte Karl Lauterbach einen Anstieg auf 50 Euro – bis 2017.

2017: Versechsfachung beim Zusatzbeitrag

Dass bereits 2017, also in sechs Jahren, der Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung bei durchschnittlich 50 Euro liegen könnte, dürfte für viele Mitglieder der GKV alles andere als eine angenehme Überraschung sein.

Schließlich warten damit Mehrkosten für die Krankenversicherung von pro Jahr rund 600 Euro auf die Versicherten. Der Zusatzbeitrag hat aber noch ganz andere, dramatische Auswirkungen.

Nach Ansicht von Karl Lauterbach hilft der Zusatzbeitrag nicht dabei, die finanzielle Situation in den Krankenkassen zu stabilisieren. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Der SPD-Gesundheitsökonom sieht in dem Zusatzbeitrag eher ein Stigma. Krankenkassen, welche von ihren Versicherten den zusätzlichen Beitrag verlangen, müssen mit einem massiven Schwund bei den Mitgliedern rechnen.

Negativbeispiel City BKK

Ein negatives Beispiel für die Signalwirkung des Zusatzbeitrags ist die City BKK. Derzeit steht die Betriebskrankenkasse am Rand der Insolvenz – nicht zuletzt wegen dem Zusatzbeitrag. Denn aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten musste die GKV erst acht Euro, anschließend 15 Euro von den Versicherten verlangen. 15 Euro zuviel, wie viele Mitglieder der City BKK fanden. Und ihrer gesetzlichen Krankenversicherung Lebewohl sagten.

Massive Umwälzungen in der GKV

Angesichts der ersten Verwerfungen, die sich im Bereich der GKV andeuten, kann nur geraten werden, wo die Entwicklung in den kommenden zwei bis drei Jahren hingeht. Die City BKK wird aber wahrscheinlich nicht die erste und letzte Krankenversicherung kurz vor dem Aus sein. Parallel dürften Fusionen massiv zunehmen. Und auch die Unsicherheit bzw. der Unmut vieler Mitglieder der GKV dürfte wachsen. Vielleicht ein Grund mehr für die freiwillig gesetzlich Versicherten, sich in die Reihen der privaten Krankenversicherung zu flüchten.

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr