Krankenversicherung: Rollt 2011 die Wechselwelle auf die PKV zu?

Die private Krankenversicherung muss derzeit Schlagzeilen verdauen, die den Verantwortlichen wohl eher wie ein schwerer Brocken vorkommen. Auf der einen Seite sorgte kürzlich eine Umfrage für Schlagzeilen, in der sich knapp ein Drittel der Privatversicherten unzufrieden mit der PKV äußerte. Und das neue Modell zur Bürgerversicherung der SPD gießt Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Trotzdem – die private Krankenversicherung rechnet für 2011 mit einer starken Belebung im Neukundengeschäft. Immer mehr Angestellte wechseln in die PKV. Fällt vielleicht schon bald die 10-Millionen-Grenze?

Millionen potenzielle PKV-Wechsler

Potenzial gibt es laut aktuellen Statistiken genug in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Die Zahl derer, die rein theoretisch in die PKV wechseln können, liegt bei ca. 4,5 Millionen Versicherten, die sich in der GKV freiwillig absichern. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass 2011 mehr Verbraucher die Gelegenheit zum Versicherungswechsel ergreifen. Schließlich hat die schwarz-gelbe Bundesregierung erst zum Jahreswechsel die Wartefrist von drei Jahren wieder auf ein Jahr reduziert.

Wer 2010 ein Bruttoeinkommen oberhalb der JAEG (Jahresarbeitsentgeltgrenze, allg. auch Versicherungspflichtgrenze) von 49.950 EUR erreicht hat, kann 2011 in die private Krankenversicherung wechseln. Und genau auf diese Erleichterung beim Wechsel der Krankenversicherung setzt die Branche. Allerdings ist die aktuelle Nachrichtenlage mehr als ein unbedeutendes Störfeuer. Die Verunsicherung bei vielen potenziellen Neukunden wächst – nicht nur aufgrund von Bürgerversicherung und TNS Infratest-Umfrage.

Beitragsentwicklung als Unsicherheitsfaktor

Zwar sind die Leistungen in der privaten Krankenversicherung über die Tarifbedingungen garantiert. Und auch die Einstiegsbeiträge für junge und gesunde Neukunden liegen oft unter den Prämien für die GKV. Aber die Beitragsentwicklung in den kommenden Jahren ist alles andere als sicher. PKV Unisex-Tarife und die Novellierung von GOZ und GOÄ (Gebührenordnung für Zahnärzte/Ärzte) sorgen für einen massiven Unsicherheitsfaktor. Die Kosten für de PKV dürften in den kommenden Jahren deutlich steigen.

Und damit auch die Prämien der Versicherten. Bereits jetzt wird davon ausgegangen, dass es zu einer Verdopplung der Beiträge innerhalb von rund einer Dekade kommt. Und noch etwas könnte der PKV die Suppe versalzen: Es fehlen Tarifmodelle wie die Familienversicherung. Gutverdienende Eltern sehen daher in der GKV oft das günstigere Versicherungsmodell.

 

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr