Krankenversicherung: Privatpatienten werden bevorzugt behandelt

Kassenpatienten werden benachteiligt

Privatpatienten bevorzugt

Deutschland ist im Gesundheitswesen ein zweigeteiltes Land. Auf der einen Seite steht das Gros der Bevölkerung, welches im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist. Auf der anderen Seite die Private Krankenversicherung (PKV) mit rund zehn Prozent der Bevölkerung. Wie die AOK Rheinland/Hamburg in einer eigenen Untersuchung herausgefunden hat, besteht die Teilung nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Wartezimmer.

Fachärzte lassen Kassenpatienten waren

Die Krankenkasse führte Testanrufe bei verschiedenen Ärzten in ihrem Versorgungsgebiet durch.

Insgesamt riefen die Mitarbeiter der AOK Rheinland/Hamburg mehr als 800 Mal in Praxen an – mit einem eindeutigen Ergebnis. Gesetzlich Versicherte müssen in vielen Fällen deutlich länger auf Termine warten als Privatpatienten. Ein Trend, den in der Vergangenheit bereits mehrfach Studien stützten. Wie real ist die Zwei-Klassen-Gesellschaft im Wartezimmer aber?

Besonders deutlich, so die AOK Rheinland/Hamburg, sind die Unterschiede zwischen Kassen- und Privatpatient beim Radiologen. Während das Mitglied einer privaten Krankenversicherung hätte gerade einmal 7 Tage auf einen Termin warten müssen, sollten für einen Kassenpatienten durchschnittlich 46 Tage bis zum Facharzttermin verstreichen. Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung warteten also mehr als sechsmal so lange wie ein Privatpatient.

Sanktionen seitens GKV gefordert

Die AOK Rheinland/Hamburg empfindet die Situation als ärgerlich – so Wilfried Jacobs. Der Chef der gesetzlichen Krankenkasse wies gleichzeitig auch darauf hin, dass es derzeit an gesetzlichen Regelungen fehlt, um solche Missstände wirksam zu bekämpfen. Denn wenn Ärzte keine Konsequenz dieser Terminvergabepraxis fürchten müssen, ist die Motivation für Veränderungen natürlich gering. Woraus erklärt sich aber die Bevorzugung der Privatpatienten?

Der Grund ist die unterschiedliche Abrechnungspraxis. Mitglieder der PKV bringen durch die Abrechnung über die Gebührenordnung dem Arzt wesentlich mehr Geld als die Behandlung eines Kassenpatienten in derselben Zeit. Die Liquidationen – also die Rechnungen der Ärzte für Privatversicherte – sind im Durchschnitt deutlich höher als jene der Kassenpatienten. Und solange sich daran nichts ändert, rechnen Experten mit keiner signifikanten Verbesserung der Situation im Wartezimmer.

VN:F [1.9.15_1155]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

Weitere News:

Ultimatum: Bahr fordert Rückzahlungen von Kassen

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr verliert die Geduld mit den gesetzlichen Krankenkassen. Nachdem er bereits vor Wochen zu Beitragsausschüttungen aufgefordert hatte und nur einige wenige Krankenkassen mit Überschüssen seinem Wunsch… mehr

Montgomery: Wettbewerb zwischen PKV und GKV ist vernünftig

Der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, hält einen Wettbewerb zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung für vernünftig. In einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt spricht er über… mehr

Stiftung Warentest prüft Auslandsreise-Krankenversicherung

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (06/2012) hat die Stiftung Warentest 47 weltweit geltende Tarife für Auslandsreise-Krankenversicherungen geprüft. Obwohl Finanztest in diesem Jahr strengere Bewertungskriterien einsetzte, erhielten sechs… mehr

PKV: Flexibler Einsatz von Altersrückstellungen

Die privaten Krankenversicherer stehen nach wie vor wegen enormer Beitragserhöhungen in der Kritik. Nun schlägt der Verband der privaten Krankenversicherung e.V. vor, die Beitragssteigerungen für die Versicherten mittels der Rückstellungen… mehr