Krankenversicherung: PKV hat keine Zukunft

In der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Verwaltungskosten deutlich niedriger als in der PKV. Zu diesem Schluss kommt Norbert Klusen, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse. Gleichzeitig hält der TK-Chef die private Krankenversicherung in ihrer heutigen Form für ein Modell ohne Zukunft. Außerdem sind die Zugänge in der PKV im vergangenen Jahr niedrig ausgefallen.

Doppelt so hohe Verwaltungskosten

In der Krankenversicherung sind es vor allem steigende Ausgaben aufgrund einer älter werdenden Gesellschaft, welche zur Belastung werden.

Darüber hinaus belasten aber auch die Verwaltungskosten die Bilanzen. Laut Techniker Krankenkasse sind diese in der GKV aber wesentlich geringer als in der PKV. So entfallen in der gesetzlichen Krankenversicherung auf jeden Versicherten durchschnittlich 136 Euro an Verwaltungskosten. In der PKV sind es dagegen 391 Euro, dessen Gros auf die Abschlussgebühren entfällt (2,7 Milliarden Euro).

Die Techniker Krankenkasse selbst schneidet bei diesem Vergleich besonders gut ab – mit Pro-Kopf-Ausgaben von gerade einmal 104 Euro und liegt damit weit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Für TK-Chef Norbert Klusen sind diese deutlichen Unterschiede in den Verwaltungskosten einer der Gründe, warum die PKV eher ein Nischensystem im Bereich der Krankenversicherung ist.

Problematischer Vergleich

Und für die Techniker Krankenkasse untermauern die Zahlen der Neuzugänge diese Ansicht. Während die PKV insgesamt 85.000 Neukunden im Jahr 2010 verzeichnete, lagen die Zugänge bei der Techniker Krankenkasse bei 339.000 Versicherten. Allerdings ist dieser Vergleich nicht unproblematisch, da er die Effekte, welche für die deutlichen Unterschiede verantwortlich sind, nicht berücksichtigt. Auf der einen Seite ist es nur einem begrenzten Personenkreis (§ 6 SGB V) möglich, in die PKV zu wechseln.

Und bis Ende 2010 galt eine dreijährige Wartefrist, bevor freiwillig gesetzlich Versicherte in die private Krankenversicherung eintreten konnten. Anders dagegen die Situation in der GKV. Hier ist das Gros der Versicherten untergebracht. Und im vergangenen Jahr haben einige der gesetzlichen Krankenkassen von der Einführung eines Zusatzbeitrags bei einigen Kassen profitiert.

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