Krankenversicherung: Ärztekammer gegen Abschaffung der PKV

In den letzten Wochen und Monaten tauchte immer wieder ein Thema in den Medien auf – wie geht es mit der privaten Krankenversicherung weiter. Angesichts von Bürgerversicherung und steigenden Kosten keimt die Erkenntnis auf, dass es mit der PKV schon in einigen Jahren vorbei sein könnte. Allerdings treffen diese Pläne und Prognosen nicht überall auf Zustimmung. Die Ärztekammer Hessen hat sich jetzt für die PKV stark gemacht.

Ärzte ohne PKV nicht lebensfähig

Anlass für die Äußerungen der Ärztekammer gegen eine Abschaffung der PKV sind Forderungen des Wirtschaftswissenschaftlers Rolf Rosenbrock, der sich für das Aus der privaten Krankenversicherung stark gemacht hat.

In den Augen der Ärztekammer entbehren solche Forderungen jeglicher Grundlage und sind alles andere als ein Segen für das Gesundheitswesen. Denn die private Krankenversicherung hält das System am Laufen und sorgt dafür, dass Ärzte zumindest im Ansatz gerecht für ihre Arbeit entlohnt werden.

Speziell den letzten Punkt arbeitete Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Chef der Ärztekammer Hessen, genauer heraus. In dessen Augen subventioniert die private Krankenversicherung die Krankenkassen aus dem System der GKV mit, die GKV-Versicherten sind in den Augen des ÄKH-Präsidenten per Gesetz dauerrabattiert. Damit könnte eine flächendeckende Bürgerversicherung nach dem Modell der gesetzlichen Krankenversicherung nicht für den Fortbestand der Arztpraxen sorge. Diesen Eindruck erwecken zumindest die Äußerungen Hatzbachs.

PKV verhindert Kollaps der GKV

Für Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach sind die Einnahmen, welche die Ärzte von den Privatversicherten auf Grundlage der GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) erhalten, „eine annähernd gerechte Honorierung ärztlicher Arbeit“. Damit erhielten nicht nur die Ärzte eine entsprechende angemessene Vergütung, unterm Strich entsteht so in den Augen der ÄKH eine Quersubventionierung der GKV.

Würde man den Bestrebungen zu einer Abschaffung der privaten Krankenversicherung freien Lauf lassen, würde es früher oder später zu massiven Problemen kommen. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach sieht dann die Gefahr eines Praxensterbens, da den Ärzten die Einnahmen wegbrechen. Unterm Strich würde das Aus für die PKV auch die gesetzliche Krankenversicherung in Schwierigkeiten bringen und für das System das Aus bedeuten – so Hatzbach.

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