Krankenkassen: Zu viele Arztpraxen in Deutschland

Deutschland hat ein Verteilungsproblem bei den Ärzten. Zu diesem Schluss kommt Doris Pfeiffer, Chefin des GKV-Spitzenverbands, gegenüber der Zeitung „Welt“. In den Augen der Kassenvertretung gibt es in Deutschland zu viele Ärzte, die sich in überversorgten Gebieten niederlassen. Gleichzeitig warf Doris Pfeiffer den niedergelassenen Medizinern eine ökonomische Denkweise vor – insbesondere im Bereich der sogenannten IGeL.

Ärztezahl auf Höchststand

In den letzten Wochen wurde das Thema Ärztemangel massiv diskutiert.

Während das Gesundheitsministerium und die Ärzteschaft der Meinung sind, dass es zu wenige Ärzte in Deutschland gibt, bläst der GKV-Spitzenverband in ein anderes Horn. Doris Pfeiffer erklärte im Interview mit der Zeitung „Welt“, dass es hierzulande im Wesentlichen auf ein Verteilungsproblem hinausläuft. Angesichts einer Zuwachsrate von 45.000 niedergelassenen Ärzten innerhalb der letzten 20 Jahre kann von einem Mangel nicht die Rede sein.

Vielmehr ist die Tatsache, dass sich Ärzte in überversorgten Gebieten niederlassen, ein wesentlicher Störfaktor. In den Augen des Verbandes sollte genau hier der Hebel angesetzt werden, um die Situation im Allgemeinen zu verbessern. Insbesondere die Möglichkeit, seine Lizenz an die nächste Arztgeneration zu verkaufen, würde der Spitzenverband gern auf den Prüfstand stellen. Und deshalb macht sich Doris Pfeiffer für eine zeitliche Begrenzung der Lizenz für Kassenärzte stark.

Gewinnstreben bei Gesundheitsleistungen

Die Chefin des GKV-Spitzenverbands legt aber nicht nur in puncto Ärztemangel einen Finger in die offene Wunde. Auch die Ärzteschaft wird im Interview von Doris Pfeiffer kritisiert. Insbesondere die sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen, die von jedem Patienten aus eigener Tasche bezahlt werden müssen, sieht die Verbandschefin kritisch. Hier fühle sie sich bei den Gesprächen in den Praxen an „Haustürgeschäfte durch Staubsaugervertreter“ erinnert. In den Augen von Doris Pfeiffer stehen im IGeL-Bereich vor allem die ökonomischen Interessen der Mediziner im Vordergrund.

Patienten, die in Arztpraxen mit den individuellen Gesundheitsleistungen konfrontiert werden, reagieren verunsichert. Immer wieder betonen Kritiker, dass in diesem Zusammenhang der Arzt vom Menschenfreund und Gesundheitspfleger zum Vertreter degradiert wird, dem es um Profit und Gewinnsteigerung geht.

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