Krankenkassen wollen Beitragsautonomie – werden die Beiträge bald wieder selbst bestimmt?

Die Überschüsse bei den gesetzlichen Krankenkassen belaufen sich derzeit auf knapp zehn Milliarden Euro. Während das Gesundheitsministerium fordert, die Überschüsse an die Versicherten weiterzugeben, erstattet die HEK ihren Versicherten die Praxisgebühr für Zahnarztbesuche. Die Chefin des Kassenverbands, Doris Pfeiffer äußert sich derweil im Interview mit der Rheinischen Post besorgt über weitere Ausgabensteigerungen und ein Abschmelzen der finanziellen Reserven.

Überschüsse für schlechtere Zeiten

Pfeiffer betonte in dem Gespräch, dass die Weigerung der meisten Kassen, Prämien an die Versicherten auszuschütten eine Vorsichtsmaßnahme sei. Zwar haben die Kassen momentan hohe Überschüsse, es sei jedoch fraglich, wie lange diese Bestand haben werden. Die Überschüsse nicht an die Versicherten weiterzugeben, ist demnach nur eine Vorsorgemaßnahme für schlechtere Zeiten. Andernfalls müssten einzelne Kassen wieder Zusatzbeiträge erheben, sobald die Überschüsse verbraucht sind und dies hätte „negative Auswirkungen am Markt“.

Abschaffung des einheitlichen Beitragssatzes

Pfeiffer geht sogar weiter und fordert die Rückkehr der Beitragsautonomie. Bis zur Gesundheitsreform im Jahr 2009 hatten die gesetzlichen Krankenkassen die Möglichkeit, den Beitragssatz selbst zu bestimmen. Durch den nun einheitlichen Beitragssatz könnten die Krankenkassen preislich nur in Form eines Verzichts auf den Zusatzbeitrag und Prämienausschüttungen miteinander in Konkurrenz treten. So haben sich bereits einige Kassen dahingehend geäußert, dass sie den Beitragssatz geringer ansetzen würden, hätten sie dazu die Möglichkeit. Pfeiffer hebt hervor, dass zu einem Wettbewerb, der zu besseren Leistungen für die Versicherten führt, auch ein Preiswettbewerb gehört.

Weniger Anbieter am Markt gewünscht

Ob die Forderungen des GKV-Spitzenverbands erhört werden, ist derweil fraglich. Der einheitliche Beitragssatz und damit auch die mögliche Erhebung eines Zusatzbeitrags sollen den Wettbewerb der Krankenkassen auch zu einer Minimierung der Anbieter führen.

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