Krankenkassen Fusionen: alles für die Katz?

Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen ist in den letzten Jahren in Folge von Fusionen und Zusammenschlüssen stark zurückgegangen. Von den ehemals mehr als 800 Krankenkassen sind per Januar 2011 nur noch 149 geblieben. Der Grund für diese Reduzierung und die Krankenkassen-Fusionen sind hohe Kosten und Defizite vor allem bei kleinen Krankenkassen. Diese Fusionen wiederum zielen auf die Senkung von Verwaltungskosten ab, um schließlich die Versicherungskosten insgesamt zu reduzieren. Der Bundesrechnungshof hat jetzt in einem aktuellen Bericht jedoch nachgewiesen, dass das Ziel der Kostensenkung deutlich verfehlt wurde.

Aktueller Bericht zeigt: keine Kostensenkung durch Fusionen

In diesem Bericht wurde deutlich, dass bei den meisten Fusionen sowohl die Personal- wie auch die Verwaltungskosten der jeweiligen Kassen zugenommen haben. Der Bundesrechnungshof prüft für diesen Bericht insgesamt 32 Fusionen, die in den Jahren 2007 bis 2009 durchgeführt wurden. Lediglich bei einer dieser Fusionen konnten Kostenreduzierungen erreicht werden.

Falsche Konzepte nach Fusion schuld

Diese Kostensteigerungen wurden im Übrigen nicht nur kurz nach der Fusion beobachtet, sondern auch nach im langfristigen Vergleich waren keine Einsparungen erkennbar. Dies wiederum liege wohl an den jeweiligen Fusionskonzepten, die weder ausgereift noch überprüft wurden. Die Ergebnisse der Studie des Bundesrechnungshofes wurden unter anderem an das Bundesgesundheitsministerium sowie an den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen weitergeleitet. Das Bundesgesundheitsministerium jedoch verweist auf die Eigenverantwortlichkeit der Krankenkassen, die somit auch Fusionen frei festlegen können.

Private Krankenversicherungen konnten Verwaltungskosten deutlich senken

Obwohl die Studie des Bundesrechnungshofes Aufsehen erregend ist, ist sie doch nicht neu. Bereits seit Jahren werden die vergleichsweise hohen Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenversicherung angeprangert. Die privaten Krankenkassen müssten im Unterschied Kosteneinsparungen umsetzen, so dass sich deren Verwaltungskosten seit 1998 sogar um 20% reduziert haben. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung stiegen die Verwaltungskosten im gleichen Zeitraum jedoch, und zwar um 38%. Und dies bei einer Reduzierung der Anzahl der Krankenkassen um mehr als 300!

Um einheitliche Regelungen für die Verwaltungskosten von gesetzlichen Krankenversicherungen zu finden, sei der Gesetzgeber gefordert. Dieser könnte Richtlinien festlegen und so Einsparungen durch Fusionen ermöglichen.

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