Krankenkasse KKH-Allianz soll Schwerkranke rausgeekelt haben

Wie das ZDF-Magazin „Frontal 21“ am gestrigen Abend berichtete, hat die gesetzliche Krankenkasse KKH Allianz systematisch schwerkranke Versicherte zu einem Wechsel der Krankenkasse gedrängt. Aus internen, dem ZDF zugespielten, Protokollen geht hervor, dass über Monate versucht wurde, Patienten loszuwerden.


Bei einer Telefonaktion seien demnach schwer und chronisch kranke Versicherte, etwa mit Diabetes oder HIV, angesprochen worden. Bei diesen Gesprächen wurde den Betroffenen nahegelegt, die Krankenkasse zu wechseln. In den Telefonprotokollen seien so auch Erfolgsmeldungen verzeichnet, wenn es einem Mitarbeiter gelungen sei, einen Versicherten zum Wechsel zu veranlassen.

KKH Allianz bestreitet Vorwürfe

In einer ersten Stellungnahme dementierte die KKH Allianz gegenüber Frontal 21 ein solches Vorgehen. Bei der Telefonaktion hätte es sich um ein normales Mahnverfahren gehandelt, die angesprochenen Versicherten seien säumig bei der Bezahlung des Zusatzbeitrags gewesen. Dem ZDF sagte der Vorstand der KKH Allianz, Ingo Kailuweit, dass er sich eine solche Geschäftspraxis nicht vorstellen könne. Datenschutzbeauftragte und Gesundheitsexperten reagierten derweil entsetzt und kritisierten das Vorgehen.

Vorgehen illegal

Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen keinen Versicherten aufgrund seines Gesundheitszustandes ablehnen. Auch eine spätere Kündigung aufgrund gestiegener Gesundheitskosten ist nicht möglich. Dennoch hatte es schon in der Vergangenheit Fälle gegeben, in denen Versicherte aktiv benachteiligt wurden. So kam es nach der Schließung der City BKK zu Negativschlagzeilen, als bekannt wurde, dass mehrere Krankenkassen insbesondere ältere und kranke Versicherten ablehnten, obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet gewesen wären, die Versicherten zu übernehmen.

Interne Prüfung soll Vorwürfe untersuchen

Die KKH Allianz kündigte angesichts der Vorwürfe eine interne Untersuchung an. In den letzten Wochen hatte die KKH Allianz eher für positive Schlagzeilen gesorgt als eine Erstattung der Praxisgebühr für die Versicherten ankündigte. Der Bericht von „Frontal 21“ dürfte jedoch das damit erworbene Imageplus wieder aufbrauchen.

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