Krankengeld, Behandlungsfehler & Co: Wann Patienten Beratung suchen

Ein aktueller Bericht der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) zeigt auf, in welchen Bereichen der Gesundheitsversorgung Patienten den größten Bedarf an unabhängiger Beratung haben. Patienten fragen so zum Beispiel vermehrt nach den Leistungen, die ihnen von Seiten der Krankenkassen zustehen. Häufig wissen sie gar nicht, welche Rechte sie überhaupt haben.

Patienten kennen ihre Rechte nicht

Der UPD-Bericht wertete rund 80.000 anonyme Beratungsanfragen im Zeitraum von April 2013 bis Ende März 2014 aus. Die Versicherten hatten im letzten Jahr häufig rechtliche Fragen und Unklarheiten, mit denen sie sich an die unabhängige Beratungsstelle wendeten. Daran zeigt sich, dass Patienten häufig nicht einmal wissen, welche Rechte ihnen zustehen. In insgesamt rund 27.700 Beratungsgesprächen waren die Leistungen von Versicherern oder anderen Kostenträgern Thema. Zu den Leistungen zählen neben dem Krankengeld auch Rehabilitationsmaßnahmen. Dabei hat sich aber vor allem der Beratungsbedarf zum Krankengeld im untersuchten Zeitraum stark gehäuft. Denn Versicherte sind häufig verwirrt, unter welchen Voraussetzungen ihnen überhaupt Krankengeld zusteht.

Wie sich Krankenkassen vor dem Krankengeld drücken

In Bezug auf das Krankengeld beklagen viele Patienten den Druck, den Versicherer ausüben, um die Betroffenen wieder zurück an den Arbeitsplatz zu bringen. Telefonanrufe stellen nur eine der Möglichkeiten dar, die Krankenkassen wählen, um sich über den Grad der Erkrankung zu erkundigen. Manche Kassen verlangen auch eine erneute Prüfung des Gesundheitszustands durch den MDK (Medizinischen Dienst der Krankenversicherung).

Häufig wird den Betroffenen nach längerer Krankheitszeit auch empfohlen, einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente zu stellen. Somit übermittelt die Krankenkasse den Patienten samt der finanziellen Belastung, die er für sie darstellt, weiter an die Rentenversicherung. Viele Betroffene wissen allerdings nicht, dass mit der Erwerbsminderungsrente auch geringere Leistungen verbunden sind.

Wer erhält unter welchen Voraussetzungen Krankengeld?

Die Regelungen zum Krankengeld sind dabei überschaubar. Es steht gesetzlich versicherten Berufstätigen zu, die länger als sechs Wochen krankgeschrieben sind. Krankengeld ist innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren für insgesamt 78 Wochen beziehbar. Dabei kann der Krankheitsgrund auch mehrmals und mit Unterbrechung innerhalb der drei Jahre festgestellt werden.

Privat Krankenversicherten steht nur dann ein Krankengeld zu, wenn sie eine entsprechende Krankentagegeldversicherung bei einer privaten Krankenversicherung abgeschlossen haben. Sie können dabei oftmals die Höhe des Krankengeldes selbst festlegen.

Unabhängiger Beratungsbedarf nicht nur beim Krankengeld

Doch nicht allein das Krankengeld ist laut dem neuesten UPD-Bericht ein wichtiges Thema für Patienten. Sie wenden sich zum Beispiel auch dann an die Beratungsstelle, wenn sie sich über ihr Patientenrecht – zum Beispiel das Einholen einer Zweitmeinung – erkundigen wollen oder das Vorgehen bei Behandlungsfehlern erfragen. Häufig gehen die Anfragen auch über den reinen Informationsbedarf hinaus. Auch Menschen, die mit den psychosozialen Folgen einer Krankheit zu kämpfen haben, zum Beispiel Depressionen, wenden sich ebenfalls an die UPD.

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