KBV fordert Abschaffung der Praxisgebühr

Seit Tagen wird über die Verwendung der Milliardenüberschüsse bei der gesetzlichen Krankenversicherung diskutiert. Neben einer Senkung des Beitragssatzes oder eine Auszahlung an die Versicherten, wurde dabei auch die Abschaffung der Praxisgebühr gefordert. Nun meldet sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zu Wort. Sie ist ebenfalls für das Ende der Gebühr.

Hoher bürokratischer Aufwand

Neben den bestehenden Überschüssen wird dabei aber vor allem eine Reduzierung der Bürokratie als Argument ins Feld geführt. So weist der Vorstandsvorsitzende der KBV Andreas Köhler darauf hin, dass jeder niedergelassene Arzt und seine Mitarbeiter pro Jahr etwa 120 Stunden aufwenden, um die Praxisgebühr zu kassieren und entsprechende Quittungen auszustellen. Diese Zeit kann wiederum nicht für die Versorgung der Patienten aufgewendet werden – angesichts der vielen Klagen über überfüllte Wartezimmer, kein unwichtiges Argument.

Hohe Kosten – geringer Nutzen

Köhler gibt außerdem zu bedenken, dass der Einzug der Gebühr pro Jahr und Praxis etwa 4.100 Euro, insgesamt rund 360 Millionen Euro kostete. Der bürokratische Aufwand rechtfertigt zudem nicht die zeitliche und monetäre Investition – die Praxisgebühr war vor allem geschaffen worden, um die Zahl der Arztbesuche insgesamt zu verringern. Mittlerweile geht man allerdings davon aus, dass der gewünschte Effekt nicht über eine Gebühr zu erreichen ist.

Zeitweise Aussetzung

Daher wäre es sinnvoll, die Praxisgebühr zeitweise auszusetzen. Einerseits würde dies zu einer finanziellen Entlastung der Patienten führen. Andererseits können niedergelassene Ärzte wieder mehr Zeit für Behandlungen und Untersuchungen aufwenden. Die Union zeigt sich derweil skeptisch gegenüber einer möglichen Abschaffung der Praxisgebühr.

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